Kampf der Häuptlinge
Tausende fiebern bereits einem der spannendsten Rennwochenenden des Jahres entgegen: den „24 Stundenvon Le Mans“ am 14. und 15. Juni 2014. Erstmalig treten zwei Konzernbrüder, Porsche und Audi, gegeneinander an
- Stefan Grundhoff
München, 11. Juni 2014 – Eines der spannendsten Rennwochenenden des Jahres, die „24 Stunden von Le Mans“ am 14. und 15. Juni 2014, steht bevor. In diesem Jahr wird mit besonderer Dramatik gerechnet, denn erstmalig treten zwei Konzernbrüder, Porsche und Audi, gegeneinander an. Da Toyota beiden auch noch gefährlich werden kann, ist Spannung garantiert.
Das Rennen Audi gegen Porsche wird nicht nur auf dem legendären Rennkurs von Circuit de la Sarthe in Le Mans ausgefahren. Die beiden Aushängeschilder des Volkswagenkonzerns treffen zunehmend auch im Alltagsgeschäft aufeinander. Hier geht es um Entwicklungshoheiten und Pfründe in der Hierarchie unter dem mächtigen Volkswagendach. Wer baut die besseren, weil innovativeren Autos? Wer hat die Entwicklungshoheit inne und wer darf zukünftig vorausfahren ohne Rücksicht nehmen zu müssen?
Kampf der Häuptlinge (15 Bilder)

(Bild: Audi)
Das Reglement lässt viele Freiheiten
„Porsche gehört zu Le Mans, und Le Mans gehört zu Porsche. Aber aus Nostalgie tätigt man keine solchen Investitionen, sie müssen auf die Zukunft einzahlen“, erläutert Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz, „soweit ich mich entsinnen kann, gab es kein anderes Reglement, das den Ingenieuren so viel Freiheit gegeben und so viel Innovationskraft abverlangt hat. Die Verpflichtung zur Hybridisierung und die Effizienzformel sind revolutionäre Herausforderungen.“
Audi sucht aktuell nach seinem Weg für die Zukunft. Bei der Marke mit den vier Ringen läuft nicht alles rund. Der Erscheinungstermin des A4 wurde kräftig verschoben, er kommt nunmehr erst Mitte bis Ende 2015 auf den Markt. Auch der große Q7 bekam nicht den Segen von Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und wird seine Publikumspremiere ebenfalls erst Anfang 2015 feiern. Hier brachte in den Augen von Hackenberg das Frontdesign des neuen Modells die über 300 Kilogramm Abmagerungskur nicht genügend zur Geltung. Verschiebungen und Designeingriffe kosten Audi zweistellige Millionenbeträge.
Kampf Audi gegen Porsche
Beim 24 Stunden Rennen von Le Mans treten die konkurrierenden Entwicklungsabteilungen von Audi und Porsche direkt gegeneinander an. Bisher haben die Ingolstädter bei vielen übergeordneten Projekten das Sagen und das behagt den Porsche-Entwicklern gar nicht. Zudem gibt es strikte Kosten- und Entwicklungsdirektriven aus Wolfsburg. Jahrzehntelang hatte sich im Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach eine fruchtbare, aber überaus eigenständige Subkultur entwickelt, die man in Wolfsburg und Ingolstadt mit viel Argwohn beäugt.