PS-Sommerparty, very british

Seit 1993 zieht das „Festival of Speed“ im Goodwood Park im Süden Englands tausende Motorsport-Fans in seinen Bann, denn dort kann man die schönsten und seltensten automobilen Kostbarkeiten hautnah erleben

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PS-Sommerparty, very british
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Von
  • Wolfgang Gomoll
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Goodwood, 1. Juli 2013 – Seit 1993 zieht das „Festival of Speed“ im Goodwood Park und auf der ehemaligen Rennstrecke Goodwood im Süden Englands tausende Motorsport-Fans in seinen Bann, denn dort können sie die schönsten und seltensten automobilen Kostbarkeiten hautnah erleben. Und nicht nur das, viele Rennfahrer dieser Tage und Rennfahrerlegenden der letzten Jahrzehnte nehmen sich Zeit für Gespräche mit Fans und Autogrammsammlern.

Emerson Fittipaldi ist da. Lewis Hamilton und Jenson Button ebenfalls. Die britischen Rennsport-Legenden Jackie Stewart und John Surtees gehören fast schon zu den Stammgästen beim Festival of Speed. Jedes Jahr im Frühsommer bittet der Earl of March auf sein Anwesen, im südenglischen Goodwood und viele ehemalige und aktuelle Motorsportgrößen folgen der Einladung. Im Zentrum des Interesses steht ein Bergrennen namens „Hill Climb“, das über eine 1,86 Kilometer lange Strecke führt. Der Kurs ist nicht besonders anspruchsvoll. Deswegen befinden sich bisweilen nur ein paar Strohballen zwischen den rasenden Autos und den zahlreichen Zuschauern. Eine Gestaltung, die den Sicherheitsaposteln in der Formel 1 die Haare zu Berge stehen lassen würde.

PS-Sommerparty, very british (40 Bilder)

Der Schauplatz des Festival of Speed: Das Anwesen und die Ländereien des Lord March in Goodwood nahe Chichester. Sein Großvater hatte 1936 ein erstes Bergrennen ausgerichtet. Im Zweiten Weltkrieg waren hier Flugzeuge der Royal Air Force stationiert, wofür eine Ringstraße betoniert wurde. Sie bildete die Grundlage für den Goodwood Circuit, auf dem bis 1966 Autorennen stattfanden. In Anlehnung daran entstand 1993 das erste "Festival of Speed".

Wirklich ans Limit geht kaum jemand. Darum geht es gar nicht. Hier will man Sehen und Gesehen werden. Über 100.000 Zuschauer pilgern an die Rennstrecke, um sich an dem Spektakel zu erfreuen. Hier dröhnen Formel-1-Zwölfzylinder noch kraftvoll ungedämpft. Es röhrt, faucht und kreischt, dass es eine Freude ist. Das Auspuff-Konzert schallt den Zuschauern heftig auf die Ohren. Der um die Kurven sirrende BMW i8 wirkt hier fast wie ein Fremdkörper. Hightech ist toll. Doch die Fans interessieren sich für PS-Protze und deren Historie. Jeden Tag donnern rund 300 Fahrzeuge, darunter auch Motorräder und Indy Cars über die Strecke. Viele sind ein Vermögen wert. Die echten Stars sind Vorkriegsautos, wie der Bentley Speed Six (Old Number Two, Baujahr 1929) oder die klassisch schöne Alfa Romeo Giulietta SZ Coda Tronca aus dem Jahr 1960.

In der Boxengasse findet man die Stars zum Anfassen: Lewis Hamilton schreibt geduldig Autogramme und Jenson Button beantwortet die Fragen der Fans. Ein paar Meter weiter werden die vierrädrigen Preziosen für den nächsten Versuch, den Hügel zu erklimmen, vorbereitet. Arturio Merzario, der Niki Lauda 1976 auf der Nordschleife aus dem brennenden Wrack zog, sitzt am Steuer eines Ferrari 156 und diskutiert mit seinen Mechanikern. Der Formel-1-Wagen des Jahres 1961 trägt wegen seiner großen Lufteinlässe den Spitznamen „Hainase“. Etwas ruhiger geht es ein paar Meter weiter zu: Der ehemalige finnische Rallye-Weltmeister Hannu Mikkola pilotiert einen Audi Sport Quattro S1. Damon Hill winkt den johlenden Fans zu: Der britische Ex-Weltmeister fährt sein Weltmeisterauto aus dem Jahr 1996, den Williams FW 18.