Klassenstreber

Volkswagen strebt mit seinem neuen VW Passat ins so genannte „Premium-Segment“. Er soll durch eine Aufwertung mit Assistenzsystemen Audi, BMW und Mercedes Kunden abspenstig machen, aber zugleich Volumenmodell bleiben

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Wolfsburg, 3. Juli 2014 – Volkswagen strebt mit seinem neuen VW Passat ins so genannte „Premium“. Ob das gelingt, ist dabei fast ebenso spannend wie die Fragen, ob Volkswagen es schafft, diesen Pudding von Marketingbegriff an die Wand zu nageln und ob dereinst der VDA den Passat tatsächlich einmal in diese (nur bei ihm existente) Kategorie stecken wird.

Der ab November 2014 angebotene Mittelklassewagen soll, wenn es nach den Plänen von Martin Winterkorn und Ferdinand Piech geht, sowohl Volumenmodell bleiben (weltweit wurde der Passat inklusive aller Derivate fast 22 Millionen Mal verkauft) als auch durch eine Aufwertung mit Assistenzsystemen Audi, BMW und Mercedes Kunden abspenstig machen. Weiterhin wird er als Limousine und Kombi angeboten, was deutlich weniger überrascht.

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VW Passat: Die neue, achte Auflage kommt im November 2014 auf den Markt. Hier mit R-Line-Paket,  also geändertem Grill und - für Passat-Maßstäbe - auffälligerer Schürze.

„Premium“ hin oder her, mit LED-Scheinwerfern, Head-Up-Display, animiertem Cockpit, Massagesitzen und einer ganzen Flut von Assistenzsystemen wie Staufolge-, Notbrems- oder Anhänger-Rangier-Assistent wird der neue Passat hoch- und manchmal sogar höher gerüstet als fast alle Wettbewerbsmodelle. Volkswagens Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer nennt das zwar „eine halbe Klasse höher“, allerdings kann man das aber auch von einem neu erscheinenden Modell eines ambitionierten Herstellers in Zeiten stürmischer Entwicklung helfender und komfortsteigernder Accessoires fast schon erwarten. Am Auto selbst wurde ja trotz tiefgreifender Umstellungen (MQB!) nichts neu erfunden.

Die äußere Erscheinung wurde lediglich evolutioniert, was allein schon angesichts der verstörenden Linienkonvolute der so genannten Premium-Wettbewerber namentlich Mercedes-Benz und BMW lobende Erwähnung verdient. Und immerhin ist er mit nahezu gleichgebliebenen Anmessungen nicht gewachsen, obwohl Volkswagen mehr Platz im Innenraum verspricht. Möglich macht das der erstmals beim Passat eingesetzte modularen Querbaukastens (MQB) mit seinen fast acht Zentimetern mehr Radstand. Der Laderaum des VW Passat Variant etwa wuchs auf um 47 auf 650 Liter, maximal passen 1780 Liter in den Kombi. Der Kofferraum der Limousine schluckt nun 586 Liter, das sind 21 Liter mehr als bisher.