Zwei Asse auf der Hand
Die Ariel Ace lässt einen traditionsreichen Namen aufleben. Um einen Motor von Honda entsteht sie in Handarbeit als Naked Bike oder als Cruiser. Ein umfangreiches Individualisierungsprogramm soll ihre Alleinstellung zusätzlich ausbauen.
- Ingo Gach
Crewkerne (GB), 21. Juli 2014 – Ariel stand einmal für hervorragende Motorräder aus Großbritannien und baute das erste Motorrad 1906. „Ariel zum Reinweichen“ kam erst 1966, ein Jahr nach dem Ende der britischen Motorrad-Marke. Wie so viele Zweirad-Produzenten von der Insel traf sie ein wechselhaftes Schicksal. 1999 kaufte Simon Saunders die Markenrechte und baute zunächst – ein Auto. Natürlich nicht irgendein beliebiges, sondern gewissermaßen ein Motorrad auf vier Rädern, den Ariel Atom, der kein Dach, dafür einen offen liegenden Gitterrohrahmen aufwies. Befeuert wird das Leichtgewicht von einem heißen Honda Civic Type R-Motor und bietet atemberaubende Beschleunigung.
Im Hinterkopf behielt Saunders aber stets die Absicht, Motorräder zu bauen. Mit dem Atom machte sich die Marke zunächst einen Namen und fuhr Startkapital für die Zweiräder ein.
Zwei Asse auf der Hand (19 Bilder)

Zwei Varianten, ein Motor
Die Ace erscheint in zwei Variationen, einmal als radikales Naked Bike und einmal als Cruiser à la Ducati Diavel. Ihr Auftritt steht ganz unter der Bezeichnung „Motor“ und „Rad“, denn beim ersten Anblick scheint sie wirklich fast nur aus diesen beiden Bauteilen und natürlich dem wunderschönen silbernen Rahmen zu bestehen. Der Gitterrohrrahmen nimmt deutliche Anleihen beim vierrädrigen Atom. Der Rahmen der Ace setzt sich aus sechs gefrästen Aluteilen zusammen. Da Ariel fast alles in Handarbeit produziert, werden allein für den Rahmenbau 70 Stunden veranschlagt.
Seine guten Beziehungen zu Honda hat Saunders es zu verdanken, dass die Japaner ihm Motoren für die Ace überließen. Der V4 stammt aus der VFR1200F, ansonsten hat die Ace so rein gar nichts mit dem vollverkleideten Sporttourer gemeinsam. Der Motor wird bei Ariel unverändert in das Chassis gebaut. Noch mehr Leistung ist gar nicht nötig, das Aggregat mit 1237 Kubikzentimetern leistet 173 PS sowie 129 Nm. Die Fahrleistungen der rund 230 kg schweren Ace dürften damit selbst verwöhnte Biker zufriedenstellen. Wie in der Honda gibt es den Motor auf Wunsch auch mit Doppelkupplungsgetriebe.
Nachdem Saunders eine Weile über den Bau eines Superbikes nachgedacht hatte, verwarf er den Gedanken wieder. Erstens verkaufen sich reine Sportbikes zurzeit kaum noch, zweitens wäre es sehr schwierig geworden, an die Performance der etablierten Superbikes wie der BMW S 1000 RR heranzukommen. Bei den beiden Ace-Modellen geht es daher vor allem um Exklusivität.