China: Daimler droht Geldstrafe wegen Preisabsprachen

Erst BMW und Audi, jetzt auch Daimler. Chinas PreiswĂ€chter haben laut Medienberichten schon Beweise gegen den Stuttgarter Autobauer in der Hand. Daimler soll Preise fĂŒr Ersatzteile und Wartung diktiert haben

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Daimler droht in China ein Bußgeld wegen Manipulation von Preisen. Die PreiswĂ€chter haben nach Medienberichten Beweise fĂŒr verbotene Absprachen mit Mercedes-HĂ€ndlern in der Provinz Jiangsu gefunden. „Der Fall von Daimler ist ein typisches Monopol, das seine beherrschende Position ausnutzt, um im Kundendienst die Preise fĂŒr Ersatzteile und Wartung zu kontrollieren“, sagte Direktor Zhou Gao vom PreisbĂŒro der ostchinesischen Provinz nach Angaben der Zeitung Jinghua Shibao vom Montag. Daimler in Peking teilte nur mit, der Autobauer kooperiere in den Ermittlungen.

Das Motorenwerk von Daimler in Peking wurde im November 2013 in Betrieb genommen.

(Bild: Daimler)

Chinas Behörden untersuchen seit Wochen die Preispolitik von Autoherstellern. Erst vergangene Woche waren wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen das Anti-Monopolgesetz erstmals Strafen in Höhe von 1,6 Millionen Yuan (rund 195.000 Euro) gegen BMW-HĂ€ndler verhĂ€ngt worden. Auch wird eine Geldbuße gegen Audi erwartet, da das Verfahren gegen das deutsch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen kurz vor dem Abschluss stehen soll. Wie die renommierte Wirtschaftszeitung 21st Century Business Herald berichtete, soll sich die Strafe auf 250 Millionen Yuan, umgerechnet 30 Millionen Euro, belaufen.

In der wohlhabenden Provinz Jiangsu ermittele das PreisbĂŒro schon seit Anfang Juli gegen Mercedes-HĂ€ndler in Suzhou, Wuxi und anderen Metropolen, berichtete die Jinghua Shibao. Auch das Daimler-BĂŒro in Shanghai sowie ein großer HĂ€ndler mit Hauptsitz in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian seien untersucht worden. Es seien „Beweise gefunden worden“, schrieb das von der kommunistischen Volkszeitung herausgegebene Blatt.

Mercedes E-Klasse mit langem Radstand

(Bild: Daimler)

Den Vorwurf wollte Daimler aus RĂŒcksicht auf das laufende Verfahren allerdings nicht bestĂ€tigen, wie ein Sprecher in Peking sagte. In den Berichten der Zeitung und der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurde darauf verwiesen, dass die Ersatzteile fĂŒr einen Mercedes der C-Klasse in China mehr als zwölfmal soviel kosteten wie das fertige Auto selbst. Die Staatsagentur zitierte auch einen HĂ€ndler, „alle Preise im Kundendienst werden von Daimler festgelegt“.

Chinas Staatsmedien werfen Autoherstellern schon lange Preistreiberei vor. Im Vergleich zu den USA und Europa seien die Preise in China teilweise deutlich höher. Es sollen Ermittlungen gegen mehr als 1000 Autounternehmen, HĂ€ndler und Zulieferer laufen. Im Visier haben die WettbewerbshĂŒter aber besonders den Oberklasse-Markt, den deutschen Anbieter wie Audi, BMW und Daimler dominieren.

Audi und sein chinesischer Partner First Automotive Works (FAW) hatten bereits eingerĂ€umt, dass es im HĂ€ndlernetz in der Provinz Hubei teilweise VerstĂ¶ĂŸe gegen das Anti-Monopolgesetz gegeben habe. Wegen der Ermittlungen und der angedrohten Strafen, die ein Prozent des Umsatzes ausmachen können, geht in der Branche die Angst um. Audi, Daimler, BMW, Jaguar Land Rover, Chrysler, Toyota und Honda haben bereits PreisermĂ€ĂŸigungen fĂŒr Ersatzteile verkĂŒndet.

(dpa) (mfz)