Waldschlößchenbrücke wird weniger genutzt als erwartet

Sie kostete das Dresdner Elbtal den UNESCO-Welterbetitel. Als Verkehrsweg hat sich die umstrittene Waldschlößchenbrücke mittlerweile etabliert. Doch ihre Nutzung liegt noch immer unter den Erwartungen

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Die einst heftig umstrittene Waldschlößchenbrücke gehört inzwischen wie selbstverständlich zu Dresden. Zwar hoffen die Brückengegner noch auf einen juristischen Erfolg vor der höchsten Gerichtsinstanz, doch ein Abriss steht nicht ernsthaft zur Debatte. Auch die Proteste sind seit der Inbetriebnahme, die sich am Sonntag (24. August) erstmals jährt, verstummt. Vielmehr pilgern Schaulustige regelmäßig zu den Aussichtspunkten, die Brückenpfeiler sind im Sommer beliebter Treffpunkt von Jugendlichen und Liebespärchen. Zudem ist das Bauwerk ein Fotomotiv von zahlreichen Touristen, die von dem langen Streit um die Brücke gehört haben.

„Die Waldschlößchenbrücke ist aus dem täglichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken und wird gut angenommen“, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Zwar sei das Bauwerk im Programm der Stadtrundfahrten keine touristische Attraktion im klassischen Sinne, sagte Tourismuschefin Bettine Bunge. Aber das Image der Kulturstadt habe unter der Brücke nicht gelitten. Vielmehr wollten Gäste wie etwa Japaner mit Affinität zu den Welterbestätten aber sehen, „wie sie in der Realität aussieht und sich ins Gesamtensemble einfügt“.

Bereits 2009 hatte die Unesco dem Dresdner Elbtal den Titel eines Weltkulturerbes aberkannt, weil die Brücke aus ihrer Sicht das Landschaftsbild dramatisch veränderte. Massenproteste, Sitzblockaden sowie Anschläge auf und Besetzungen von Baugeräten hatten auch bundesweit Schlagzeilen gemacht, Baustoppanträge in Parlamenten und Klagen scheiterten. Freigegeben wurde die Waldschlößchenbrücke erst 2013 nach sechs Jahren Bauzeit. Umplanungen, Prozesse und ungünstiges Wetter hatten den Bau immer wieder verzögert und die Kosten von 137 Millionen auf knapp 181 Millionen Euro getrieben. Die Schlussrechnung will die Stadtverwaltung bis Ende September vorlegen.

Der Bau der Waldschlößchenbrücke war lange stark umstritten - und ist es zum Teil noch immer.

(Bild: Michael Hennig/Stadt Dresden)

Die Stadt zog neben dem Bürgerwillen auch die Verkehrsentlastung als Argument für ihre Beharrlichkeit heran, die Brücke fertigzustellen. Die Planer gingen einst von 45.500 motorisierten Nutzern pro Werktag bis 2015 aus. Davon ist die Realität ein gutes Stück entfernt. „Tatsächlich liegen die Zahlen unter den Erwartungen, wir hatten mit mehr gerechnet“, sagt Rathaussprecher Kai Schulz. Größtes Problem sei eine Kreuzung, an der es stets zum Stau komme.

Von den Motorisierten profitiert die Stadt zumindest finanziell: Bis Ende Juli wurden fast 20 500 zu schnelle Fahrzeuge von den beiden Überwachungsautomaten an der Brücke geblitzt, die meisten im April und Mai. Insgesamt flossen dadurch mehr als 634.000 Euro an Geldbußen in das Stadtsäckel. In den Sommermonaten gilt zum Schutz von Fledermäusen an der Brücke Tempo 30 in der Dämmerung – eine von Umweltschützern durchgesetzte Auflage.

Auf den Schutz von Fledermäusen berufen sich Naturschützer, die noch immer vor Gericht gegen die Baugenehmigung für die Waldschlößchenbrücke kämpfen. Die Entdeckung der „Kleinen Hufeisennase“ hatte schon 2007 den Brückenbau zeitweise gestoppt. Nun wollen die Umweltschützer die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses aus dem Jahr 2004 erreichen, da dieser ihrer Ansicht nach nicht im Einklang mit den Anforderungen des europäischen Naturschutzrechts steht. Das Bundesverwaltungsgericht hält den Bau für rechtswidrig, wie aus dem sogenannten Vorlagenbeschluss an den Europäischen Gerichtshof hervorgeht. Es wartet nun auf eine Reaktion aus Luxemburg, ehe über die Klage der Grünen Liga entschieden wird. Die Grünen rechnen mit nachträglichen Auflagen zum Naturschutz.

(dpa) (mfz)