Fehmarnsundbrücke: Maroder als gedacht
Der Zustand der gut 50 Jahre alten Eisenbahn- und Autobrücke über den Fehmarnsund gibt Anlass zur Sorge. Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Meyer (SPD) wird die Fehmarnsundbrücke dem Verkehr als Folge der Fehmarnbelt-Querung zwischen Dänemark und Deutschland nicht mehr standhalten
Der Zustand der gut 50 Jahre alten Eisenbahn- und Autobrücke über den Fehmarnsund gibt Anlass zur Sorge. Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) wird die Fehmarnsundbrücke dem zunehmenden Verkehr als Folge der festen Fehmarnbelt-Querung zwischen Dänemark und Deutschland nicht mehr standhalten. Kurzfristige Sperrungen der Brücke befürchtet Meyer allerdings nicht. „Mir liegen solche Informationen nicht vor“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Wie schlecht es um die Belastungsfähigkeit der Verbindung zwischen dem schleswig-holsteinischen Festland und der Ostseeinsel Fehmarn tatsächlich steht, untersuchen derzeit Experten. „Es gibt natürlich Materialermüdungen bei dieser Brücke“, sagte Meyer. Anfang September wolle die Bahn deren Ergebnisse vorstellen. Den Ergebnissen der Spezialisten wolle er zwar nicht vorgreifen. „Tatsache ist aber: Wir brauchen spätestens mit der Fehmarnbelt-Querung, wenn die Dänen den Tunnel im Jahr 2021 fertiggestellt haben werden, einen Ersatz für die Fehmarnsundbrücke.“
(Bild: SPD Schleswig-Holstein)
Ein kurzfristiger Ausfall droht demnach aber nicht –zumindest derzeit. „Die Autofahrer müssen sich zurzeit keine Sorgen machen über das normale Maß hinaus“, sagte Meyer. Gleichwohl gebe es „ja immer mal wieder Einschränkungen für Fahrzeuge, die besonders windanfällig sind“. Die werde es weiterhin geben. Der Bund habe die Bahn und Schleswig-Holstein mit einem Gutachten zum Zustand der Fehmarnsundbrücke beauftragt.
Berichten des NDR und des Hamburger Abendblatts zufolge ist die Brücke allerdings weitaus sanierungsbedürftiger als bislang angenommen. Untersuchungen aus dem Frühjahr dieses Jahres hatten demnach offenbar ergeben, dass neben dem Schienenstrang auch die Straßentrasse deutlich maroder ist als erwartet. „Wenn es noch schlimmere Ergebnisse geben sollte, müssen wir sofort handeln“, zitieren NDR und Abendblatt Minister Meyer. Es sei in den vergangenen Jahren versäumt worden, die Infrastruktur in Schuss zu halten.
Schlimm steht es auch um eine andere Brücke weiter nördlich bei Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal, die im Verkehr von und nach Dänemark eine Schlüsselrolle spielt. Die erst gut 40 Jahre alte Rader Hochbrücke im Zuge der Autobahn 7 musste im Sommer vergangenen Jahres wegen maroder Pfeiler wochenlang für Lastwagen gesperrt und aufwendig repariert werden. Nach Expertenansicht wird das Bauwerk nur noch zwölf Jahre halten.
Schleswig-Holstein hätte als Ersatz für die Rader Hochbrücke am liebsten einen kombinierten Tunnel für Straße und Schiene. Denn die Rendsburger Eisenbahnbrücke ist schon über 100 Jahre alt und wird auch nicht mehr unbegrenzt halten. Der Bund will nach bisherigem Stand aber zunächst nur eine Ersatzbrücke für die Straße bauen. Diese würde dann möglichst nahe an der alten errichtet werden. Damit müssten keine besonders aufwendigen Umweltuntersuchungen wie bei anderen Neubauprojekten eingeleitet werden.
(dpa) (mfz)