Vom alten Schlag?
Der Sechszylinder im M4 basiert weitgehend auf der Maschine, der im 335i und 435i eingebaut wird. Erstmals bekommt ein M damit einen aufgeladenen Motor. Eine Ausfahrt sollte zeigen, ob der M4 nicht nur schnell, sondern auch charismatisch ist
München, 1. September 2014 – Der Antrieb des sportlichsten Dreiers war bei BMW immer etwas Besonderes und hat sich somit rationalen Überlegungen entzogen. Vom Vier- bis zum Achtzylinder war schon alles vertreten. Stets hatten die Maschinen im unteren Drehzahlbereich ausreichend Kraft, die nur deshalb kaum gewürdigt wurde, weil im oberen Bereich ein Feuerwerk folgte. Vorbei! Der Sechszylinder im M4 hat zwar Kraft in allen Lebensbereichen, aber auch viel mit dem Motor des 435i gemeinsam. BMW nimmt damit der aktuellen Ausgabe seines Mittelklasse-Topmodells den Reiz des Exklusiven, ja unvernünftigen – und das wiegt schwerer als die Umbenennung von M3 zu M4.
Die Eingangsfrage lautet dennoch: Gibt es – so objektiv betrachtet es ein M-Cabrio eben zulässt – irgendwas, das man an diesem Auto nicht mögen kann? Eine Optik zum Niederknien? Liegt im Auge des Betrachters! Jede Menge Dampf und Drehmoment? Mit dabei! Alltagstauglichkeit? Mehr als genug! Offen fahren? Dauert 20 Sekunden! Wenn Sie also keine tiefe Abneigung gegenüber den Bayerischen Motoren Werken hegen, könnten Sie diesem Angebot verfallen sein, bevor Sie überhaupt einen Meter gefahren sind.
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Das neue BMW M4 Cabriolet kommt erst im Oktober in den Handel.
Die erste Prüfung besteht der offene M4 mit links: scharfe Kanten, große Radhäuser, die mit schicken 18-Zoll-Rädern gefüllt sind, dazu ein penibel zusammengesetztes Cockpit. Danke in diesem Fall an BMW Individual für Leder in „Merino fine-grain Amaro Brown“ (sieht aus wie ein Baseball-Handschuh) und die schwarzen Klavierlack-Zierleisten (sehen aus wie ein Klavier). Mit dem im kommenden Jahr anstehenden Facelift des Dreiers verschwindet hoffentlich die schwarze Kunststoffblende rund um den Schalthebel, deren Griff-Sympathie sich irgendwo zwischen Margarinebecher und Keller-Lichtschalter bewegt. Für den Luxus, den man in Abu Dhabi, Miami oder Grünwald so liebt, sorgen außerdem eine Beladehilfe, die die komplette Dachkonstruktion hydraulisch anhebt sowie ein dreistufiger Nackenföhn.
Ein Schwergewicht
Auch beim Cabrio hat man es, wie bei Limousine und Coupé, geschafft, das Gewicht im Vergleich zum Vorgänger trotz all des neumodischen Firlefanzes (inklusive diverser Assistenzsysteme) um gut 60 Kilogramm zu senken. Auch das Cabrio erhält Garchinger Leichtbau- und Rennsport-Hightech wie eine Carbon-Gelenkwelle oder eine Aluminium-Motorhaube. Der Untergrund wird dennoch mit stattlichen 1865 Kilogramm belastet. Das sind gut und gerne 250 Kilogramm mehr als beim Coupé. Entsprechend hat die M GmbH Federn, Dämpfer und die Stabilitätskontrolle angepasst. „Mein“ M4 hat zusätzlich die 7300 Euro teure Keramikbremse hinter seinen 19-Zöllern. Man mag über den Sinn streiten, fast ein Zehntel des Fahrzeugpreises in eine Bremse zu investieren, aber in puncto Kraft, Ausdauer und Gefühl sind die teuren Anker eine Sensation. Außerdem haben sie "goldene" Bremssättel…