Hypex VR6
Es ist und bleibt ehrgeizig: Die neue Firma Horex, die den alten Namen gekauft hat, baut Motorräder mit VR-Motor, verkauft sie nur selbst, zu Preisen mit Höhenluft. Jetzt musste die GmbH Insolvenz anmelden
Die Horex GmbH hat am 28. August 2014 in Augsburg Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter RA Rainer Müller wird in der nächsten Zeit durch die Daten der Firma gehen, um zu retten, was zu retten ist. Die Horex-Pressemeldung will alle 36 Arbeitsplätze erhalten und die Motorradfertigung unter der 2010 gekauften Traditionsmarke Horex "langfristig" erhalten. Nachdem Millionen und Abermillionen von Fördergeldern und Investitionen das nicht geschafft haben, muss man an der Kraft dieser Pressemeldung zweifeln. Schade.
Wenn Eines die Motorradszene zum Thema Horex in der Meinung geeint hat, dann der Punkt, dass wir alle froh über den Versuch sind, über ein Projekt, das ein technisch interessantes, komplett neues Kraftrad in Deutschland für den deutschen Markt produziert. Selbst die Vorwürfe über das "Playmobil-" oder "Lego-Design" sind schwach. Diese Spielzeuge feiern ihren Dauererfolg doch gerade wegen des Designs: solide überdimensionierte Teile durchgefärbten Plastiks guter Qualität, das hält ewig. Die schlichte Gestaltung hob das hervor. Ähnlich war es bei der Horex VR6. Eine VR6 Cafe Racer hätte ich jederzeit gerne als Playmobil-Motorrad. Aber als echtes Kraftrad? Nope.
Hypex VR6 (4 Bilder)

Die Horex VR6 Roadster: Nur 21.700 Euro
Wenigstens gut genug
An diesem Punkt liegt wie immer der Hund begraben. Die Horex war kein schlechtes Motorrad. Aber das war eine MZ 1000 S oder SF auch nicht. Alle drei waren jedoch nicht gut genug. Kurze Exkursion in den schmerzhaftesten Bereich des Marketing: Der Ersterfolg eines Produktes hängt zum größten Teil vom Zufall ab. Diese bittere Pille müssen alle Planer schlucken, bevor sie sinnvoll agieren können. Gut dokumentierte Forschungen zeigen zum Beispiel, dass ein Top-Hit nicht aus der Masse von Musikstücken vorhersagbar ist, obwohl Daten vorliegen aus der vorherigen Versuchsiteration, in der schon ein Top-Hit vorlag. Im nächsten Durchlauf treibt ein ganz anderes Stück ganz nach oben.
Wir kennen alle die Happy-End-Leidensgeschichten von Frau Rowling oder Herrn Pirsig. Nach unzähligen Ablehnungen endlich der berechtigte Erfolg! Diese Einzelgeschichten suggerieren, dass man nur hart genug arbeiten müsse, um es zu schaffen. Um die Welt zu sehen, wie sie ist, fehlt die Mehrzahl der Geschichten, die der Nicht-Rowlings, der Nicht-Pirsigs. Diese Geschichten gehen so: unzählige Ablehnungen, fertig, aus. Das passiert. Um wenigstens die Chance auf Erfolg zu gewährleisten, muss das Produkt, so die Studie, nur ein Kriterium erfüllen: Es muss im Hinblick auf die Wünsche des Marktes zumindest gut genug sein. Dann steht es an einer Haltestelle, an der (mit Glück) der Erfolgsbus vorbeikommt. Einen Fahrplan gibt es nicht.