Last oder Leittechnik? Die Zukunft des E-Auto-Akkus

Die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos ist fest in der Hand asiatischer Hersteller. Fehlt damit in Deutschland wichtiges Knowhow für den Durchbruch der Elektromobilität?

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Von
  • Annika Graf
  • Andreas Hoenig
  • dpa

Sie sind das HerzstĂĽck einer Zukunftstechnik: Akkus fĂĽr Elektroautos. Doch ausgerechnet das Geburtsland des Automobils hat bei der Akkuzellen-Technik den Anschluss verloren. Asiatische Hersteller sind weit vorne. Ein Problem fĂĽr die deutschen Autobauer? Das muss sich noch zeigen, meinen Experten. Denn bei der Akkutechnik mischen die deutschen Hersteller nach wie vor mit.

An der TU MĂĽnchen forschen Wissenschaftler an der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen

(Bild: Heddergott / TUM)

Konsumerelektronik-Hersteller wie der sĂĽdkoreanische Elektronikkonzern LG, der japanische Panasonic-Konzern oder Toshiba haben inzwischen die FĂĽhrung in der Akku-Technik ĂĽbernommen. Auch bei den Patenten sind die Asiaten weit vorne. Laut einer Untersuchung der TU MĂĽnchen haben asiatische Entwickler nach den neuesten Zahlen im Jahr 2011 rund 2100 Patentfamilien fĂĽr elektrochemische Energiespeicher angemeldet. Aus Europa kamen 530, aus den USA 410.

BMW sieht den technischen Vorsprung der Asiaten gelassen. "Entscheidend ist, dass es eine genĂĽgend groĂźe Zahl von Anbietern gibt und damit einen Wettbewerb", sagt ein Sprecher. "Das sorgt fĂĽr weitere Fortschritte bei der Entwicklung der Technik."

BMW kauft seine Akkuzellen vom südkoreanischen Konzern Samsung. "Alles weitere machen wir selbst: die Montage der Akkuzellen zu vollständigen Hochvoltspeichern mit Steuerungselektronik und anschließend die Integration in das Fahrzeug." Bei der Akkutechnik würden große Fortschritte erwartet – die Akkus sollen leistungsfähiger werden und damit die Reichweite der Autos steigen.

Auch VW meint, dass das Unternehmen eine Zellfertigung vorerst nicht braucht: "Da sich der Markt für Elektroautos in vielen europäischen Märkten erst langsam entwickelt, besteht aus unserer Sicht gegenwärtig keine Basis für eine wettbewerbsfähige Zellfertigung in Deutschland", sagte ein Sprecher. "Dies kann sich jedoch in Abhängigkeit von der Nachfrageentwicklung ändern."

In Deutschland fertigt das Daimler-Tochterunternehmen Li-Tec, das der Autohersteller in diesem Jahr komplett übernommen hat, Akkuzellen für den Elektro-Smart. Berichten zufolge denkt der Autohersteller aber über ein Aus der Zellproduktion nach. Daimler werde künftig nur noch Akkusysteme mit der Deutschen Accumotive – ebenfalls eine Daimler-Tochter – herstellen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt dazu: "Bei Li-Tec wird die Akkuproduktion im Verhältnis zu den Zellen zunehmen."

Nun ist ausgerechnet der Akku eine wichtige strategische Komponente für die Autobauer beim Thema Elektromobilität. Das meint auch Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität. "Hier entscheiden sich Preis und Reichweite der Fahrzeuge." Und bisher sind der vergleichsweise hohe Preis sowie eine geringe Reichweite die Haupthindernisse für Elektroautos.

Die Autohersteller dürften das Thema auf keinen Fall völlig aus der Hand geben, sagt Ernst&Young-Autoexperte Peter Fuß. "Der Akku hat heute einen hohen Wertanteil am Elektroauto." Ein Drittel des Fahrzeugwerts liege beim E-Auto in der Akkutechnik.

Auf dem Feld der Zellen ist der Abstand zur asiatischen Konkurrenz groß. "Im Augenblick wäre das ein Kampf gegen Windmühlen", sagt Fuß. Für die Zukunft könne man das allerdings nicht ausschließen. "Ich glaube nicht daran, dass die deutschen Hersteller das Terrain aufgeben werden."

Der US-Elektroautopionier Tesla investiert bereits und hat jĂĽngst den milliardenschweren Bau seiner Gigafabrik fĂĽr Lithium-Ionen-Zellen angekĂĽndigt. Mit Hilfe der eigenen Produktion will der Elektroauto-Pionier die Kosten fĂĽr die immer noch teuren Akkus drĂĽcken. Allerdings baut Tesla die Fabrik nicht allein: Mit im Boot ist der japanische Lithium-Ionen-Spezialist Panasonic.

Wäre so etwas auch hierzulande möglich? "Die Zellproduktion ist eine Frage der Größe", sagt Daimler-Chef Zetsche. "Es ist unwahrscheinlich, dass die im großen Stil in Deutschland stattfinden wird." Wolfgang Bernhart von der Strategieberatung Roland Berger sieht in den hohen Energiekosten hierzulande das Hindernis: "Eher werden asiatische Hersteller aus Südkorea oder Japan einen Produktionsstandort in Europa eröffnen."

Henning Kagermann ist anderer Meinung. "Bei den Akkuzellen müssen wir aufholen", sagt er. Bei der nächsten Zellgeneration – der Post-Li-Ionen-Technik – müssten deutsche Anbieter wieder stärker vertreten sein. "Die Voraussetzungen dafür", ist Kagermann überzeugt, "stimmen auf jeden Fall." (anw)