Gentechnik für den Kuhstall
Biotechniker und Zuchtunternehmen wollen mittels "Genome Editing" Rinder züchten, die keine Hörner haben oder mehr Muskelmasse aufbauen. Sogar über Tiere, die sich nicht mehr fortpflanzen können, wird nachgedacht.
Für landwirtschaftliche Nutztiere könnte das sogenannte Genome Editing außerordentliche Möglichkeiten eröffnen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Mit seinem Start-up Recombinetics will der US-Genetiker Scott Fahrenkrug Milchkühe züchten, die Eigenschaften anderer Rinder haben – etwa keine Hörner oder eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Krankheiten. Eine solche "molekulare Zucht" könnte Ergebnisse wie die normale Zucht hervorbringen, nur schneller. Aus verschiedenen Tieren einer Art würden die besten Gene zusammengesucht.
Mit dem Genome Editing lässt sich die DNA von Lebewesen schnell und präzise verändern, und viele Biotechnik-Labore setzen sie inzwischen ein. Mit ihrer Hilfe haben Wissenschaftler bereits die Gene von Mäusen, Zebrafischen und Affen verändert. Es gibt sogar Versuche, sie im Kampf gegen HIV einzusetzen.
Das könnte die globale Viehhaltung drastisch auf den Kopf stellen. Firmen könnten die so gezüchteten Tiere patentieren, so wie gentechnisch verändertes Soja. Bislang hat die US-Zulassungsbehörde FDA noch nie grünes Licht für gentechnisch veränderte Tiere gegeben. Doch Unternehmer gehen nun dagegen an. Genome Editing solle nicht reguliert werden, fordern sie, wenn es nur dazu eingesetzt wird, Gene ein und derselben Art neu zu kombinieren. "Diese Gene existieren in der Art ja bereits", argumentiert Fahrenkrug.
Einige große Zuchtbetriebe haben begonnen, in die Technologie zu investieren. "Es geht hier nicht um leuchtende Fische, sondern um Kühe, denen man nicht die Hörner abschneidet", sagt Jonathan Lightner, Forschungsleiter der britischen Firma Genus, dem größten Viehzüchter der Welt. Genus hat bereits Geld in Fahrenkrugs Firma Recombinetics gesteckt. Lightner sieht eine Chance, dass die Öffentlichkeit diese Art der Gentechnik akzeptieren könnte.
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(bsc)