Handydaten gegen Ebola

Wissenschaftler nutzen Mobilfunkdaten, um die Bewegungsmuster der westafrikanischen Bevölkerung zu simulieren. Das könnte helfen, neue Ausbruchsherde von Ebola vorherzusagen.

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Der Mobilfunkanbieter Orange Telecom hat erstmals Forschern die Verbindungsdaten seiner Nutzer im Senegal und in der Elfenbeinküste zur Verfügung gestellt, berichtet Technology Review in seiner Oktober-Ausgabe (das neue Heft ist seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar). Die Wissenschaftler der schwedischen Non-Profit-Organisation Flowminder haben diese Daten mit Informationen aus Volkszählungen ergänzt und auf dieser Grundlage ein Bewegungsmodell der ganzen westafrikanischen Bevölkerung erstellt. Sie erhoffen sich davon, neue Seuchenausbrüche vorhersagen zu können und auf diese Weise effizientere Hilfe zu ermöglichen.

Dem jüngsten und größten Ebola-Ausbruch in der Geschichte fielen seit Anfang des Jahres bislang mehr als 2400 Menschen zum Opfer (Stand 16. 9.), vorwiegend in den afrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone. Zuletzt stieg die Zahl der Ebola-Toten um rund 400 pro Woche. Der Senegal, ein nördliches Nachbarland von Guinea, hatte Ende August den ersten bestätigten Fall gemeldet. Das Land hatte vor Kurzem seine Grenze zu Guinea geschlossen – eine umstrittene Entscheidung. Auch Südafrika verbietet Personen aus den betroffenen Ländern die Einreise. Das Flowminder-Modell solle allerdings nicht dazu dienen, weitere Reisebeschränkungen zu erlassen, betont Mitbegründer Linus Bengtsson.

Ebola-Forschung.

(Bild: US Army Medical Research Institute of Infectious Diseases)

Die Forscher nutzten anonymisierte Daten von 500.000 Mobiltelefonen der Elfenbeinküste vom Dezember 2011 bis zum April 2012 sowie von 150.000 senegalesischen Handys aus dem Jahr 2013. Die Geräte nehmen ständig mit Basisstationen Kontakt auf und übermitteln ihnen ihre ID-Nummer. Bei den Mobilfunkanbietern laufen so immense Datenberge auf, die unerreicht genaue Einblicke in die Bewegungsmuster der Bevölkerung erlauben. Zuvor waren Forscher dazu auf Erhebungen und Umfragen angewiesen – beispielsweise Migrationsdaten, Erfassung von Menschen an Bushaltestellen oder Volkszählungen.

Emmanuel Letouzé, Mitbegründer und Direktor der Data-Pop Alliance, die an ähnlichen Projekten arbeitet, findet den Vorstoß von Flowminder vielversprechend. "Wenn Mobilfunkanbieter die Daten wirklich auf einem sehr fein aufgelösten Level bereitstellen, ist ihr Potenzial enorm." Dennoch bleibe ein Datenschutzproblem: Mit Bewegungsdaten, die soziale und wirtschaftliche Verbindungen gekoppelt mit Ortsinformationen enthüllen, lassen sich einzelne Individuen oft trotz Anonymisierung identifizieren.

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(bsc)