Grips bringt Grip

Schwalbe hat mit seinem Entwicklungspartner Syntace zwei Reifen in einen gepackt, was gleichzeitig Grip, Sicherheit und Handling verbessern soll. Schwalbe wird es unter der Bezeichnung Procore ab 2015 an Mountainbiker und Endurosportler verkaufen

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Grips bringt Grip
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Reichshof, 29. September 2014 – Schwalbe hat mit seinem Entwicklungspartner, dem Fahrradtechikspezialisten Syntace, zwei Reifen in einen gepackt. Schwalbe wird das Ganze unter der Bezeichnung Procore ab 2015 verkaufen und hofft, damit möglichst viele Mountainbiker zu erreichen.

Jeder nur etwas erfahrene Mountainbikefahrer wird leicht verstehen, warum. Er weiß, dass niedriger Reifenluftdruck die Aufstandsfläche vergrößert und damit die Traktion verbessert. Langsam bergauf kann man je nach Reifendimension und -tragfähigkeit tatsächlich ein bar Druck fahren, allerdings mit hohem Risiko, den Reifen zu zerstören. Entweder durch einen "Biss" der Felge auf eine Steinkante, der zwei Löcher in die Reifenflanken hinterlässt, weshalb Anglophone und andere das auch als "Snake Bite" bezeichnen, oder durch Abrutschen von der Felge. Bergab gilt Ähnliches, nur verschärft durch die höhere Geschwindigkeit plus Bremskräfte, bei denen noch deutlich höhere Belastungen entstehen. Der Kompromiss ist ein Druck irgendwo zwischen den maximal erlaubten drei bis vier bar (je nach Reifendimension und -tragfähigkeit) und einem Minimum, das je nach Fahrweise und Untergrund irgendwo bei anderthalb bar liegen dürfte.

Grips bringt Grip (7 Bilder)

Die Schnittdarstellung zeigt, wie die Reifen ineinander liegen.
(Bild: Schwalbe (alle))

Die Lösung des Problems sind laut Hersteller zwei konzentrische Reifen auf einer Felge. Beide sind Wulstreifen, der innere mit, der äußere ohne Schlauch. Zudem besitzt der Innenreifen natürlich kein Profil. Der Clou ist das Füllventil, bei dem sich durch eine drehbare Hülse der Luftweg wählbar ist. In der einen Stellung befüllt man den Schlauch, in der anderen den Schlauchlosreifen.

"Procore" ist die Abkürzung von "Progressive Core". Damit ist weniger gemeint, dass das ganze eine progressive Idee ist, was ja auch stimmt, vielmehr soll damit nahegelegt werden, dass man es mit einer progressiven Federrate zu tun bekommt. Zwar nur mit einer zweistufig progressiven, aber mit Zusatznutzen: Der "Core" ist mit einem hohen Druck von etwa vier bis sechs bar in der Lage, auch bei harten Schlägen nicht bis auf das Niveau der Felgenhörner nachzugeben. Der äußere Reifen kann dadurch mit geringem Luftdruck gefahren werden, ohne Gefahr, dass er durchschlägt oder abspringt. So kann der Fahrer die volle Traktion des Profils nutzen und wird nebenbei noch mit verbessertem Handling und nicht zuletzt deutlich höherem Fahrkomfort belohnt. Schließlich ist das Ganze auch ein Notlaufreifen, in dem sogar daran gedacht wurde, den äußeren Reifen mit Dichtmittel zu versehen.

Im Worldcup hat sich das Doppelkammersystem bereits bewährt. Nico Lau hat seinen ersten Enduro-Weltcup darauf gewonnen. Auf dem extremen Downhill-Kurs in Fort William, Schottland, waren Emmeline Ragot (erster Platz) und Sam Hill (zweiter Platz) darauf erfolgreich.

Schwalbe verspricht, dass Procore ab einer Felgenweite von etwa 23 mm montieren lassen soll. Das Gewicht pro Laufrad soll 200 Gramm betragen. Die gängigen Laufraddurchmesser 26, 27,5 und 29 Zoll werden verfügbar sein. Als Verkaufspreis empfiehlt der Hersteller seinen Händlern 179 Euro pro Satz. (fpi)