Klimafreundlicher Zement
Bei der Produktion des Baustoffs fallen große Mengen CO2 an. In Norwegen nutzt man nun eine neue Technologie, mit der mindestens 30 Prozent des anfallenden Klimagases aufgefangen werden sollen.
- David Talbot
Bei der Produktion des Baustoffs fallen große Mengen CO2 an. In Norwegen nutzt man nun eine neue Technologie, mit der mindestens 30 Prozent des anfallenden Klimagases aufgefangen werden sollen.
In der Zementfabrik Norcem Brevik südlich von Oslo werden derzeit mehrere Verfahren erprobt, mit denen ein großer Teil der üblicherweise im Produktionsprozess anfallenden CO2-Emissionen verhindert werden kann. Sollte sich die Technik als praktikabel erweisen, wäre das für den Klimaschutz ein wichtiger Schritt.
Mehr als fünf Prozent des menschengemachten CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Zementproduktion. Bei Norcem Brevik setzt man nun unter anderem auf die sogenannte Aminwäsche, bei der die Abwärme der Fabrik verwendet wird, um das Klimagas herauszufiltern. Im Testmaßstab ließen sich darüber zwischen 30 und 40 Prozent der Gesamtemissionen aus den Rauchgasen entfernen.
"Wir sind unserer Ansicht nach das erste Projekt, bei dem die Technik unter Echtbedingungen in der Zementproduktion getestet wird", sagt Liv-Margrethe Bjerge, zuständige Projektmanagerin bei Norcem, das zur HeidelbergCement-Gruppe gehört. Man sei die bislang einzige Fabrik, bei der ein Auffangen des Klimagases direkt nach dem Brennprozess erfolge.
Die Anlage soll nun im nächsten Sommer in den Vollbetrieb mit der Aminwäsche gehen. Sie könnte ein Modell für zahllose ähnliche Anlagen in Europa und dem Rest der Welt werden, hofft Bjerge. Aktuell wird allerdings nur demonstriert, wie sich das CO2 auffangen lässt. In einem weiteren Schritt könnte ein Prozess hinzukommen, bei dem das Klimagas zu Off-Shore-Anlagen transportiert wird, um in Ölquellen injiziert zu werden.
Bei Norcem Brevik untersucht man insgesamt drei verschiedene Techniken zur Emissionssenkung. Die bislang erfolgreichste Methode ist die erwähnte Aminwäsche, bei der Stoffe aus der Gruppe der Amine zum Einsatz kommen, um das CO2 aufzunehmen und später wieder freizugeben, wenn sie erhitzt werden. Ergebnisse für zwei andere Methoden liegen laut Bjerge noch nicht vor. Bei der einen wird Calciumoxid mit dem CO2 kombiniert, um Calciumcarbonat zu bilden. Die andere verwendet Membranen zum Einfangen des CO2.
In Kraftwerken wurden diese Prozesse bereits untersucht, doch Zementfabriken arbeiten ganz anders. So sind die CO2-Konzentrationen der Gesamtemissionen deutlich höher, zudem kommen Staub und weitere Kontaminationsstoffe hinzu.
Es gibt noch einige andere, etwas verrücktere Ideen, die Zementproduktion klimafreundlicher zu gestalten. Dazu gehört die Möglichkeit, die Herstellung mittels konzentriertem Sonnenlicht zu betreiben und so den Bedarf an fossilen Brennstoffen zu senken. Weitere Forschergruppen arbeiten an Materialien, die Zement zur späteren CO2-Absorbierung direkt nutzbar machen sollen. In den USA werkelt ein Start-up gar an einer Pilotanlage, bei der anfallendes CO2 in Backpulver wiederverwendet werden soll. (bsc)