Meinung: 4K-Video ist ein teures Abenteuer

Die neue Trumpfkarte der Kameraindustrie ist 4K-Video. Mit 8 Megapixel Frames ist Video erstmals auch ein heiĂźes Thema fĂĽr reine Fotografen, die mit der Filmerei nichts am Hut haben. Man sollte sich allerdings nicht von gĂĽnstigen Kamerapreisen blenden lassen.

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Von
  • Sascha Steinhoff

Die neue Trumpfkarte der Kameraindustrie ist 4K-Video. Mit 8 Megapixel Frames ist Video erstmals auch ein heiĂźes Thema fĂĽr reine Fotografen, die mit der Filmerei nichts am Hut haben. Man sollte sich allerdings nicht von gĂĽnstigen Kamerapreisen blenden lassen.

Seit Monaten macht die Kameraindustrie ihrer Kundschaft mit immer neuen Ankündigungen über Fotoapparate mit ganz tollen 4K-Videofunktionen den Mund wässrig. Bisher hat außer Panasonic mit dem Trio aus DMC-GH4, FZ1000 und LX100 zwar noch kein Hersteller etwas Alltagstaugliches und Bezahlbares am Start, aber das schadet ja nicht. Samsung (NX1), Sony (A7s) und Leica (S, Typ 007) bemühen sich nach Kräften bei 4K-Video aufzuschließen. Canon hat 4K nur für Profis im Angebot und Nikon hüllt sich bei dem Thema in Schweigen.

Ein Kommentar von Sascha Steinhoff
Ein Kommentar von Sascha Steinhoff

Sascha Steinhoff ist Redakteur bei c't Digitale Fotografie und schreibt seit 2008 regelmäßig über techniklastige Fotothemen. Privat ist er seit analogen Zeiten bekennender Nikon-Fanboy, beruflich ist er da flexibler. Als Softwarespezialist kümmert er sich insbesondere um die Themen Raw-Konvertierung, Bildbearbeitung und Bildarchivierung.

Die neue Technik könnte – Konjunktiv, wohlgemerkt – die Fotografie zügig revolutionieren. Mit dem Finger auf dem Auflöser auf den richtigen Augenblick zu lauern wäre dann Old-School. Mit 4K-Video lässt man die Kamera einfach durchlaufen. Bei 24 bis 30 Bildern die pro Sekunde durchrattern, wird schon irgendein ein guter Schuß dabeisein. Im Schnittprogramm exportiert man den besten Frame und hat bei der Auswahl alle Zeit der Welt. Das ist die neue Fotografie. Traditionalisten werden diese Entwicklung mit dem gleichen Schaudern begleiten wie schon die Einführung des Winders, der Programmautomatik, des Autofokus, des Bildstabilisators oder auch der Eisenbahn. Aufhalten läßt sie sich vermutlich nicht mehr.

Derzeit sind beim Einsatz von 4K allerdings einige Hürden zu überspringen. Grund: 4K-Videos produzieren selbst in der niedrigsten Qualitätsstufe geradezu unanständig große Dateien. Die kamerainterne Aufzeichnung ist mit satten 40 Gigabyte Speicherplatzverbrauch pro Stunde für 4K-Verhältnisse schon ultrakompakt. Sie setzt auf eine extrem starke verlustbehaftete Bildkompression. An Nachbearbeitung ist dann kaum noch zu denken. Wer an Bilder aus dem Videostream ähnliche Qualitätsanforderungen hat wie an Fotos, muss also aufrüsten.

Selbst bei unbegrenztem Budget gibt es natürlich Grenzen. Echte Raw-Bilder aus dem 4K-Videostream der Fotoknipse? Ok, Träumen muss erlaubt sein. Zumindest bei Fotoapparaten sind gering komprimierte Videostreams mit 8 oder 10 bit Farbtiefe derzeit das höchste der Gefühle. In der Welt der Videofilmer werden diese Videos ebenso vereinfachend wie irreführend oft als Raw bezeichnet. Mit echtem Video-Raw à la CinemaDNG wie man es von teuren Videokameras kennt, hat das alles nichts zu tun. Ohne externen Rekorder geht jedenfalls nichts. Wenn man ein Schnäppchen erwischt kostet er nur soviel wie die Kamera und kann dank potenter Hardware nachbearbeitungsfähiges Bildmaterial aufzeichnen. Die entstehenden Datenmengen sind enorm, nicht umsonst sind die SSDs im Rekorder wechselbar. In der Nachbearbeitung am Computer muss man sich pro Stunde Film schon bei 24 fps durch 86.400 Einzelbilder wühlen. Wer diese Bilderwust bändigen möchte, braucht sowohl bei der Hardware (CPU, GPU, Massenspeicher) als auch der Software das Beste, was man für Geld bekommen kann.

Kurz gesagt: 4K-Video ist derzeit für die Industrie ein Konjunkturprogramm und für den qualitätsbewußten Anwender ein ebenso spannendes wie teures Abenteuer. Die Technik ist jung, die Produktzyklen sind kurz und Early Adopter zahlen traditionell die ganze Sause. Für den nicht ganz so leidensfähigen Normalanwender empfiehlt es sich abzuwarten. Wenn herkömmliche Festplatten ausgestorben sind und die Kapazität von SD-Karten in Terabyte gemessen wird, dann wird 4K-Video ganz sicher ein Massenphänomen. (sts)