Strom und Wasser aus Schlamm

Mit einer vergleichsweise kompakten Anlage, die eine US-Bioenergiefirma entwickelt hat, lässt sich aus Abwasser Lebensnotwendiges machen.

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Mit einer vergleichsweise kompakten Anlage, die eine US-Bioenergiefirma entwickelt hat, lässt sich aus Abwasser Lebensnotwendiges machen.

Bill Gates, Mitbegründer von Microsoft und 2014 mal wieder reichster Mann der Welt, schaut erst etwas skeptisch auf das Glas mit der klaren Flüssigkeit. Dann nimmt er tapfer einen ersten Schluck – und gibt erleichtert kund: "Es ist Wasser."

Der "Omniprozessor" der US-Firma Janicki Bioenergy hat das kühle, trinkbare Nass aus unangenehm riechendem Abwasser erzeugt. Die Anlage hat eine Grundfläche von knapp 200 Quadratmetern und sieht aus wie eine kleine Raffinerie.

Der Omniprozessor produziert auch Strom.

(Bild: Gates Foundation)

Das System kombiniert eine ganze Reihe verschiedener Technologien auf engstem Raum. Am Anfang steht immer Abwasser in Form von Schlamm. Diesen dampft der Omniprozessor zunächst ein, verbrennt die Trockenmasse und erzeugt so über ein kompaktes, dabei aber leistungsstarkes Dampfkraftwerk Strom. Parallel dazu wird der beim Trocknen erzeugte Wasserdampf gleich auch noch kondensiert, über eine Filteranlage aufbereitet und dann als Frischwasser ausgegeben.

Der erste Prototyp, unterstützt von der Gates' mächtiger Stiftung "Bill and Melinda Gates Foundation", steht derzeit noch in dessen Heimatbundesstaat Washington, wo Janicki Bioenergy auch seinen Sitz hat. Doch schon im Februar 2015 soll die Anlage nach Dakar im Senegal verschifft werden, um sich im Echtbetrieb zu bewähren.

Die Gesamtanlage nimmt nur knapp 200 Quadratmeter ein.

(Bild: Gates Foundation)

Der Omniprozessor kann in seiner jetzigen Inkarnation pro Tag immerhin 12,3 Kubikmeter Schlamm mit einem Feuchtigkeitsgehalt von maximal 84 Prozent verarbeiten und daraus bis zu 10.800 Liter Frischwasser herstellen – sowie 150 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen. Das Nachfolgemodell, angekündigt für das Frühjahr 2016, soll dann bereits schon 86.000 Liter produzieren und 300 kW leisten können.

Die Demonstrationsanlage in Washington, aufgebaut im knapp 110 Kilometer von Seattle entfernten Sedro-Woolley, wo Janicki Bioenergy firmiert, bekam ihren Rohstoff aus dem lokalen Abwassernetz. Peter Janicki, Gründer des Unternehmens, will das System nach Dakar auch in anderen Regionen Afrikas sowie Indien einsetzen – überall dort, wo es an allen drei Dingen, die der Omniprocessor liefern kann mangelt: Abwasserreinigung, sauberes Wasser und Strom.

Bill Gates lieĂź es sich in einem Video nicht nehmen, selbst ein Glas Wasser aus der Anlage zu trinken.

(Bild: Gates Foundation)

Dabei soll die Anlage vergleichsweise billig sein: 1,5 Millionen US-Dollar kostet sie ungefähr und soll dabei für 100.000 Personen ausreichen. Gates hofft, eines Tages "Tausende" dieser Anlagen in die Dritte Welt zu tragen. "Dann kann man sicherstellen, dass die Leute wirklich gesund aufwachsen", sagte er dem Technikmagazin "Wired" im November. Die Lebensqualität steige "und man wird eine ganze Menge Leben retten können".

Neben der kompakten und effizienten Verbrennungs-, Stromerzeugungs- und Filtertechnik steckt aber noch mehr: Gates, seine Stiftung und Peter Janicki wollen mit dem Omniprozessor neuartige Geschäftsmodelle in die Dritte Welt holen, bei denen örtliche Unternehmer mit der Anlage Geld verdienen können. Das soll nicht nur die Kosten für das Projekt senken, sondern auch sicherstellen, das einmal aufgestellte Anlagen gewartet werden. So kann ein Unternehmer sich sowohl als Entsorger betätigen als auch als Strom- und Wasserlieferant. Die Eintrittsbarriere wird dabei bewusst niedrig gehalten.

Die Abwasserproblematik und die Frage, wie die Dritte Welt endlich flächendeckend an sauberes Wasser gelangen kann, beschäftigen Gates und seine Stiftung schon seit Jahren. So arbeitete er unter anderem an einem Projekt, das eine umweltfreundliche Toilette hervorbringen sollte.

Die Nachfrage wäre enorm: 40 Prozent der Bevölkerung auf der Erde hat nach Schätzungen keinen Zugriff auf saubere Sanitäranlagen. Und selbst wenn Sanitäranlagen vorhanden sind, fehlt es oft an einer Abwasseraufbereitung. Der Omniprozessor kann also nicht schnell genug kommen, glauben Gates und Janicki. (grh)