„Werden keine Handy-Kunden im Stich lassen“

Volkswagen will „später in diesem Jahr“ die zweite Generation seiner modularen Infotainmentplattform MIB II einführen. Über Bedienungsgewohnheiten, Kundenbedenken und mögliche Risiken der Vernetzung ein Interview mit Andreas Titze, Leiter für Elektronik-Architekturentwicklung bei Volkswagen

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Rudolf Skarics
Inhaltsverzeichnis

München, 30. Januar 2015 – Volkswagen treibt die Vernetzung seiner Autos voran. So werde man beispielsweise „später in diesem Jahr“ die zweite Generation seiner modularen Infotainmentplattform MIB II einführen – zunächst in den USA. Enthalten sein soll darin unter dem Label „App Connect“ auch der CarPlay-Support. Indem man nun alle drei relevanten Systeme Google Automotive Link, Apple Car Play und Mirror Link unterstützt, holt Volkswagen alle Global Player ins Boot.

Über Gewohnheiten bei der Bedienung, aber auch Klischees, Kundenbedenken und mögliche Risiken angesichts der Vernetzung führte unser Autor Rudolf Skarics ein Interview mit Andreas Titze, Leiter für Elektronik-Architekturentwicklung bei Volkswagen.

„Werden keine Handy-Kunden im Stich lassen“ (8 Bilder)

Angeblich kann man mit entsprechender Programmierung von einem Handy aus sogar ein Flugzeug zum Absturz bringen. Andreas Titze: „Wir werden es nicht zulassen, dass von außen fahrrelevante Informationen verändert werden können.“ (Bild: Volkswagen)

Heise Autos:
Bei Motor, Getriebe und Fahrwerk kann man sich noch recht leicht vorstellen, wer wofür zuständig ist. Bei der Elektronik erscheinen die Grenzen hingegen eher fließend. Was machen Sie, wo sind die Grenzen Ihrer Tätigkeit?

Andreas Titze:
Meine Aufgaben in der Elektronik-Entwicklung bei Volkswagen nennen sich interaktive Elektronik, das bedeutet, fast alles, was Sie im Fahrzeug an Elektronik anfassen und bedienen können, wird bei mir in der Hauptabteilung entwickelt. Das beginnt bei jeder Art von Schalterelementen, geht über Klimasteuerung, die Instrumente, über Head-Up-Displays, bis zur gesamten Welt der Fahrerassistenz-Systeme und bis zur Spezifikation aller Anzeige- und Bedienkonzepte im Fahrzeug. Das gesamte Thema Connectivity ist in einem separaten Bereich, das ist ein so großes Thema, dass es in einer anderen Hauptabteilung verantwortet wird.

Heise Autos:
Wie kann man das alles überhaupt auseinanderhalten?

Andreas Titze:
Es gibt im Fahrzeug unterschiedliche Welten im Sinne von Sicherheitsanforderungen, von Entwicklungs- und Innovationszyklen und von Offenheit gegenüber Schnittstellen nach außen. Und da ist die Infotainment- und Connectivity-Welt eine andere als die Welt der Fahrzeugsysteme. Deswegen macht es auch Sinn, die Systeme separat zu entwickeln und auch bewusst als separate Systeme zu behandeln.

Heise Autos:
Findet die Abgrenzung auch in Form ganz unterschiedlicher Hardware statt?

Andreas Titze:
Für Lenkungssteuerung, Bremsensteuerung, Motorsteuerung, für Fahrerassistenzsysteme nutzen wir eigenständige Hardware, hier verfügen wir auch über ganz klar definierte und abgegrenzte Kommunikationskanäle, streng abgegrenzt von den Funktionalitäten, die mit Medienplayern, Internetbrowsern, Navigation und Onlinediensten zu tun haben. Gerade beim Thema Car-Hacking erschweren wir dadurch Kriminellen den Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten.