Googles Marge sinkt und niemand darf sich wundern
Googles jüngstes Rekordquartal stieß an der Börse zunächst auf Skepsis. Nachdem sich die Google-Manager erklärten, erholte sich der Kurs. Die Zweifel sind aber nicht ganz ausgeräumt.
Über 900 Millionen Dollar hat Google im vierten Quartal in Immobilien investiert, davon 585 Millionen für sechs Gebäude des Officeparks Pacific Shores Center in Redwood City, Kalifornien.
(Bild: BrokenSphere CC-BY 3.0)
Im vierten Quartal 2014 hat Google einen neuen Umsatzrekord aufgestellt und einen sprunghaft gestiegenen Reingewinn erzielt. Der Betriebsgewinn ist aber leicht, die Umsatzrendite deutlicher zurückgegangen. Beides ist aber keine Überraschung und juckt das Management auch nicht: "Wir suchen nach Wachstum beim Umsatz, wir suchen nach Wachstum beim Betriebsgewinn in absoluten Dollar, und wir suchen nach großartiger Rendite für Investitionen", sagte Googles Finanzchef Patrick Pichette zu Finanzanalysten Donnerstagabend, "Das ist das Puzzle, dass wir zu lösen suchen."
(Bild:Â Google )
Kurz gesagt: Die Umsatzrendite in Prozent ist Google gleich, solange der Betriebsgewinn insgesamt steigt. Diesmal ist er nicht gestiegen, weil der US-Dollar gegenüber anderen Währungen stark zugelegt hat. Über die Hälfte von Googles Umsatz kommt aus dem Ausland. Die dort eingenommenen Gelder sind aufgrund des Wechselkurses derzeit weniger Dollar wert, als noch vor einem Jahr.
Renditeschwund ist logisch
Auch ohne Dollarschwankung wäre alles andere als eine sinkende Umsatzrendite eine Überraschung. Denn Google stellt sich immer breiter auf, will die Abhängigkeit vom Werbegeschäft reduzieren. Der Aufbau von FTTH-Glasfasernetzen beispielsweise ist kapitalintensiv und dürfte auf Jahre keinen Gewinn abwerfen. Ähnliches gilt für Tochterunternehmen die Satelliten für hochauflösende Bilder ins All schießen oder hoch fliegende Langzeitdrohnen entwerfen.
Und auch das vergleichsweise bescheidene Hardwaregeschäft, bei dem mit Partnerfirmen Handys, Tablets, Laptops, Multimediaplayer und so weiter auf den Markt gebracht werden, ist für seine recht dünnen Margen bekannt. Gleiches gilt für mobile Zahlungsdienste, und auch vom Google Play Store, Musikabos und Onlinespeichern darf man keine 30 Prozent Umsatzrendite erwarten.
Je mehr Google sich diversifiziert, desto stärker wird die Umsatzrendite den Branchemix widerspiegeln. Zu dem Mix könnte bald auch ein Mobilfunk zählen, soll sich doch Google zum virtueller Mobilfunker (MVNO) anschicken. Auf eine dahingehende Frage eines Finanzanalysten wollten die Google Manager Donnerstagabend aber nichts antworten. Es wäre zu viel Arbeit, auf alle Spekulationen zu reagieren. "Wir werden spekulative Meldungen einfach nicht kommentieren", würgte Pichette das Thema ab.
YouTube hat ĂĽber eine Milliarde Nutzer pro Monat
Auf absehbare Zeit wird Googles Haupteinnahmequelle aber die Reklame bleiben. Daher verunsichern die volatilen Werbepreise manche Analysten. Digitale Werbung ist aber offenbar recht preiselatisch. Google schafft es durch drehen an den Preisschrauben, den Umsatz zu erhöhen.
Gerade auf den eigenen Webseiten und Diensten gelingt das hervorragend (+25% Umsatz). Dazu trägt auch YouTube bei, das monatlich mehr als eine Milliarde Nutzer anzieht. Besondere Freude hat Google übrigens mit der Nutzung von YouTube auf mobilen Endgeräten. Der dabei erzielte Umsatz hat sich im Jahresabstand mehr als verdoppelt.
Investitionen in Forschung und Entwicklung
Motorola Mobile hat gleich doppelt zum Reingewinn beigetragen: Der Verkauf Motorolas an Lenovo resultierte in einem Gewinn von 740 Millionen Dollar. Und in den vier Wochen vor dem Verkauf ist Motorola Mobile der erste "Quartalsgewinn" unter Googles FĂĽhrung gelungen. Diese 227 Millionen Dollar haben wohl auch damit zu tun, dass Google nicht mehr in den Handy-Hersteller investiert hat.
Insgesamt aber hat Google seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) deutlich erhöht, nämlich von 1,9 Milliarden auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Damit wurden 16 Prozent des Umsatzes für F&E ausgegeben, nach zwölf Prozent vier Quartale davor.
Der US-Gesetzgeber belohnt bestimmte F&E-Ausgaben mit einem Steuerbonus. Der wäre 2013 ausgelaufen. Merkwürdigerweise wurde er rückwirkend verlängert, womit bereits getätigte Investitionen "gefördert" wurden. Für Google heißt das jedenfalls, dass der Bonus für das Gesamtjahr im vierten Quartal schlagend wurde. Dieser Bonus hat Googles Steuerquote in dem Quartal auf 16 Prozent gedrückt.
Gutes Personal ist schwer zu finden
Die Zahl der Google-Mitarbeiter ist in den drei Monaten um gut 2.000 auf 53.600 gestiegen (Vollzeitäquivalente). Das ist zwar fast ein neuer Mitarbeiter pro Stunde, für Google-Verhältnisse aber wenig, gerade im Jahresschlussquartal. Finanzchef Patrick Pichette erklärte das mit drei Faktoren: Es sei Google besonders wichtig, die Unternehmenskultur zu erhalten. Zu viele Neulinge könnten das in Gefahr bringen.
Außerdem seien die Kapazitäten für Mitarbeiterführung begrenzt. Anders gesagt: Neue Indianer erfordern mehr Aufmerksamkeit ihres jeweiligen Häuptlings. Jeder Häuptling kann sich nur um begrenzt viele neue Indianer kümmern, weshalb deren Zahl nicht zu hoch werden darf. Und dann nimmt Google nicht jeden: "Wir haben einfach eine sehr hohe Schranke beim Einstellen", hielt Pichette nicht hinter dem Berg, "Die Hürde ist: Können wir diese Leute finden?" (ds)