Vor dem Kollaps

Die chinesischen Metropolen kämpfen gegen den Verkehrskollaps - jeden Tag auf neue. Konkrete Lösungen fehlen, denn der öffentliche Nahverkehr ist für viele innerhalb der Stadt bislang keine Alternative

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Von
  • Stefan Grundhoff
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Peking, 6. März 2015 – Das Problem ist in den Megacitys weltweit ähnlich groß, wird jedoch in Peking besonders deutlich: Durch stetigen Zuzug ist die Verkehrsinfrastruktur vollkommen überlastet. Die Folgen sind nicht nur scheinbar unendlich lange Staus, sondern auch eine Luftverschmutzung, die gesundheitlich kaum beherrschbare Folgen hat. Besonders deutlich wird das Fehlen eines langfristigen Verkehrskonzepts an Tagen wie dem vergangenen Dienstag.

Auf den Straßen in und um die großen Metropolen wie Peking, Shanghai oder Guangzhou ging nichts mehr. Das chinesische Neujahrsfest neigte sich dem Ende und viele Chinesen wollten ein paar Tage mit Freunden oder Familie genießen. Nach inoffiziellen Angaben sollen in den Morgenstunden mehr als 100 Millionen Menschen zeitgleich unterwegs gewesen sein. Die meisten verstopften mit ihren Fahrzeugen Autobahnen, Innenstädte und Zufahrtsstraßen. Vor Bahnhöfen und besonders den Flughäfen ähnelten die Zufahrtswege überdimensionalen Parkplätzen. Schließlich galt es das Jahr des Pferdes stimmungsvoll zu beenden und das beginnende Jahr des Schafes zu begrüßen.

Vor dem Kollaps (15 Bilder)

Stadtmodell von Peking

Die Feierlichkeiten und der zunehmende Mobilitätsdrang der insgesamt rund 1,3 Milliarden Chinesen zeigt eindrucksvoll, wohin der Reise in den nächsten Jahren gehen könnte. Die Metropolen stehen bereits am Rande des Kollaps‘ und selbst Fahrtbeschränkungen sorgen nicht für erträgliche Verkehrsverhältnisse. Die geografische Lage der Hauptstadt Peking sorgt zudem dafür, dass der Smog zum Dauerproblem wird. Die 20-Millionenmetropole liegt vor einer Nordkette und der Wind aus Süden schafft es oftmals nicht, die verdreckte Luft über die Berge zu drücken. „Vor zwölf Jahren gab es hier vier Autobahnringe“, erklärt Jeremiade Jenne vom Cultural Center The Huton, „bald wird nun der siebente Ring fertiggestellt und Peking wächst bald mit Tianjin im Süden zusammen.“