König der Düfte

Zum Wohlfühlen im Auto zählt auch der Geruch. Der ist zwar schwer in Worte zu fassen, entscheidet aber auch ganz wesentlich darüber, ob wir ein Auto mögen oder nicht. Das gilt vor allem für Neuwagen. Entsprechend viel Aufwand betreiben hier die Autohersteller

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Claudius Lüder
  • dpa
Inhaltsverzeichnis

München/Wolfsburg, 6. März 2015 – Beim Kauf eines neuen Autos spielt zunächst die Optik eine große Rolle. Folgt irgendwann die erste Sitzprobe mit anschließender Probefahrt, wird auch der Geruch des Fahrzeugs unwillkürlich bewertet – und kann Einfluss auf die Kaufentscheidung haben.

„Der Neuwagengeruch darf nicht aufdringlich sein und muss zum Auto passen“, sagt Vincenzo Lucà vom TÜV Süd. Eine zu starke Blumennote kann ebenso abschreckend sein wie ein intensiver Eigengeruch der Kunststoffe. Um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, helfen einige Autohersteller daher durchaus auch mit Geruchsspendern nach und platzieren etwa textile Duftbänder unter den Sitzen, weiß Lucà.

König der Düfte (7 Bilder)

"Neuwagen-Geruch ist kein Zufall" - wirklich? Der Niva riecht nicht nach Nivea, auch, wenn er heute Taiga heißt. Als der Wagen auf den Mark kam, war Geruch kein Thema, weil das Auto unter den Arbeitern und Bauern verteilt wurde und nicht verkauft werden musste.
(Bild: Lada)

Kann ein potenzieller Kunde ein Auto nicht riechen, hat der Verkäufer schlechte Karten. „Der erste Eindruck kann tatsächlich eine sehr wichtige Rolle spielen. Insbesondere, wenn es sich um einen störenden Geruchseindruck handelt“, bestätigt Michael Franke von Volkswagen. Generell würden schlechte Gerüche schneller wahrgenommen als gute.

Nahezu alle Hersteller betreiben daher einen erheblichen Aufwand, um ihre Autos angenehm riechen zu lassen. Zu stark riechende Bauteile sollen gar nicht erst ins Auto. Die Daimler AG beschäftigt ein eigenes „Nasenteam“, das sich um die Gerüche der verbauten Materialien kümmert. Bereits seit 1992 werden hierzu in einem standardisierten Test Proben entnommen, zwei Stunden lang auf bis zu 80 Grad erhitzt und anschließend von mehreren Prüfern bewertet. Die anschließende Beurteilung von „nicht wahrnehmbar“ bis „unerträglich“ ist ausschlaggebend dafür, ob das Material verbaut werden darf.

„Unser Ziel ist es, einen angenehmen, möglichst neutralen Geruch zu schaffen“, erläutert Claudia Schempp, die sich bei Daimler mit Geruchstests und Olfaktometrie befasst. Dabei wird am Ende auch noch einmal überprüft, ob die Gerüche der Bauteile in der Summe nicht doch eine unangenehme Note erzeugen. Einen Einheitsgeruch für alle Modelle gibt es nicht, weil Innenausstattung und Materialzusammensetzung in jedem Modell anders ist. Das Ziel der Geruchstester: „Der einzige Geruch, der in einem Mercedes-Benz bewusst wahrgenommen werden darf, ist der von Leder“, sagt Schempp.