BUND kritisiert Kehrtwende Hermanns bei Gigalinern
Umweltschützer kritisieren, dass Grün-Rot beim Lang-Lkw-Test vor mächtigen Konzernen einknickt. Die Wirtschaft hingegen freut sich über das Umdenken bei Grün-Rot beim baden-württembergischen Feldversuch mit den sogenannten Gigalinern
- Aline Dürre
Der Test der umstrittenen Riesenlastwagen auf den Autobahnen im Südwesten hat ein unterschiedliches Echo hervorgerufen. Aus Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Koalition, die sich lange gegen eine Ausnahmegenehmigung für die Gigaliner sperrte, den Geschäftsinteressen des Autobauers Daimler nachgegeben. „Das ist verantwortungslos und zeigt, dass die Landesregierung vor dem Lkw-Verkehr und seinen Interessenvertretern kapituliert und keine wirklichen Konzepte für eine klimafreundliche und nachhaltige Güterverkehrspolitik hat“, sagte Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch am Montag in Stuttgart.
Auch der Grünen-Landesverband und der ökologische Verkehrsclub VCD äußerten Bedenken, während die Wirtschaft die Kehrtwende von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) begrüßte. Daimler hatte sich für die Teilnahme eingesetzt. Der VCD führte den Sinneswandel darauf zurück, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Landtagswahlen 2016 wieder gewinnen wolle.
Die Landesregierung will im Bund nun doch beantragen, dass drei Autobahnabschnitte in den Feldversuch mit den 25 Meter langen Lastwagen aufgenommen werden. Baden-Württemberg hatte neben anderen Bundesländern zunächst an der Rechtsgrundlage des Pilotversuchs gezweifelt und Verfassungsklage eingereicht, die im vergangenen Mai abgewiesen wurde.
(Bild: Daimler)
Der Grünen-Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand sagte: „Unsere grundsätzlichen Bedenken bleiben bestehen.“ Mit Blick auf eine geplante Studie zu den Auswirkungen des Tests im Südwesten fügte er hinzu: „Wir werden uns die Ergebnisse sehr genau anschauen.“ Die Untersuchung müsse zeigen, dass Gütertransport nicht von der Schiene auf die Straße verlagert werde. Erst auf dieser Datengrundlage könne geurteilt werden, ob die Lang-Lkw tatsächlich die CO2-Emissionen senken.
Die FDP im Landtag hatte bereits geargwöhnt, dass die Automobilwirtschaft Druck auf Kretschmann ausgeübt habe; dieser habe wiederum seinen Verkehrsminister zur Aufgabe seiner Blockadehaltung bewegt.
Daimler hatte argumentiert, dass verlängerte Lkw nach bisherigen Erkenntnissen bis zu 25 Prozent CO2 und Diesel sparten. Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard erwartet nach eigenen Worten vergleichbare Ergebnisse auch vom baden-württembergischen Feldversuch. Bisher musste Daimler etwa auf dem Weg von Bayern nach Baden-Württemberg von großen in kleinere Laster umladen.
Nach Prognose des BUND wird sich der Lkw-Verkehr auf der Straße nach einer allgemeinen Zulassung von Gigalinern verstärken. „Durch den zusätzlichen Laderaum wird der Lkw-Verkehr um etwa 30 Prozent billiger. Das heißt, es gibt noch mehr Kostenanreize, die Lagerhaltung auf die Autobahn zu verlegen und Transporte mit dem Lkw statt mit Bahn oder Schiff vorzunehmen“, sagt BUND-Verkehrsreferent Klaus-Peter Gussfeld. Der VCD hält einen eigenen landesbezogenen Test für überflüssig.
Der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Kulitz, bewertete die Öffnung des Landes als Schritt in die richtige Richtung. Er fügte hinzu: „Unverzichtbar ist es aber, konsequent vorzugehen und alle Autobahnen im Land einzubeziehen.“
(dpa/lsw) (ald)