Conti: Rekordgewinn und Werksschließung
Gut 500 Millionen Euro mehr als zunächst erwartet will der Continental-Konzern im laufenden Jahr erwirtschaften. Nun soll ein Umsatz von „mehr als 39 Milliarden Euro“ erreicht werden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Werk in Salzgitter geschlossen wird
(Bild: Continental)
Rückenwind durch Rohstoffpreise: Gut 500 Millionen Euro mehr als zunächst erwartet will der Continental-Konzern im laufenden Jahr erwirtschaften. Statt den bisher angepeilten 38,5 Milliarden Euro Umsatz sollen nun „mehr als 39 Milliarden Euro“ erreicht werden. Das teilte der Autozulieferer und Reifenhersteller am Donnerstag in Hannover bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Quartal mit. Und das Wachstum soll noch kein Ende haben: „Das kann noch eine ganze Menge Jahre so weitergehen“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer der dpa. Gründe für die Hochstimmung im Konzern gibt es viele: Eine erhöhte Produktion der Automobilbranche, positive Währungseffekte und günstige Kautschuk- und Rohöl-Preise – die für die Reifenherstellung wichtig sind – lassen die Kennzifferns des Konzerns steigen.
„Das erste Quartal hat gezeigt, dass wir schneller wachsen als die Märkte“, sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart. Wegen der stabilen Preisentwicklung für Kautschuke und dem gesunkenen Rohöl-Preis müsse Conti in diesem Jahr rund 150 Million Euro weniger für Rohstoffe ausgeben. Auch bei den die Gewinnerwartungen setzt das Unternehmen etwas höher an: Das für Contis Prognose entscheidende sogenannte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll in diesem Jahr nun mit Sicherheit mehr als 10,5 Prozent der Umsätze betragen. Bisher hatte das „sicher“ noch gefehlt. Das Unternehmen bereinigt die Gewinnkennziffer um einmalige Effekte wie etwa Kosten aus Übernahmen. Nach dem Zukauf des US-amerikanischen Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance im Januar dieses Jahres hat Continental mehr Angestellte denn je: Über 200.000 Mitarbeiter sind nun für den Konzern tätig, rund 13.000 mehr als im Vergleich zum Jahresende 2014.
Keine Zukunft mehr sieht Continental für seine Schlauchleitungsfabrik in Salzgitter. Damit stehen dort 220 Arbeitsplätze auf der Kippe. Das Unternehmen habe die Mitarbeiter bereits über das drohende Aus informiert, bestätigte ein Konzernsprecher am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Der für das Werk zuständige Geschäftsführer Florian Fauth begründete die Probleme in einer Erklärung damit, dass ein Großauftrag für die Autoindustrie früher als erwartet bereits Ende Mai auslaufe. Damit breche in dem Werk in Salzgitter etwa ein Drittel des Umsatzes weg.
Eine kostendeckende Produktion sei daher unmöglich. „Sowohl der Werkleiter als auch die verantwortlichen Segmentleiter versuchen seit Jahren, neue Aufträge zu generieren. Dabei kalkulieren sie neue Projekte bis zum Äußersten und prüfen jedes nur erdenkliche Einsparungspotenzial am Standort“, sagte Fauth. Der Standort weist einen hohen Anteil an Handarbeit auf, die in Deutschland teuer ist. Der Nachfolgeauftrag aus dem Volkswagen-Konzern ging ins Conti-Werk nach Rumänien – nach ausführlicher Berechnung und Prüfung der Optionen. Laut Branchenverband VDA kostete im Jahr 2014 eine Arbeitsstunde in der deutschen Autoindustrie 51 Euro und in Rumänien nur 5,50 Euro.
Manager Fauth erklärte: „Aufträge anzunehmen und damit kein Geld zu verdienen ist langfristig unwirtschaftlich, ungesund für den Standort und keineswegs nachhaltig. Zu unserem großen Bedauern sehen wir keine dauerhafte Zukunftsperspektive für den Standort Salzgitter.“ Gemeinsam mit dem Betriebsrat werde nun „schnellstmöglich“ nach einer „sozialverträglichen Lösung für die insgesamt 220 Arbeitsplätze“ gesucht. Die IG BCE vertritt die Arbeitnehmerinteressen in dem Werk.
Ein Conti-Sprecher sagte am Donnerstag, zu den 220 Jobs gehörten 9 Auszubildende und etwa 40 Leiharbeiter. Es werde geprüft, inwieweit die Mitarbeiter an anderen Orten im Konzern eine Perspektive bekommen könnten. Diese Bemühungen gelten insbesondere für die neun Lehrlinge. Die Fabrik in Salzgitter produziert laut den Angaben zu zwei Dritteln für Volkswagen und zu einem Drittel für Daimler. Seit 1999 besteht das Werk am Güterverkehrszentrum. 2012 hatte es schon Einschnitte in der Belegschaft gegeben. Die Werkshalle ist von der Stadt gemietet.
(dpa) (mfz)