Nur das Beste fĂĽr Europa?

Die hohe Anspruchshaltung zahlte sich fĂĽr Europa lange aus - denn Japans Firmen boten oft nur ihre beste Technik den Kunden im Abendland an. Doch inzwischen beginnen die Konzerne, das Gelernte im Zukunftsmarkt Asien gegen Europas Topmarken zu verwenden.

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Von
  • Martin Kölling

Dass Firmen globale Produkte lokalen Märkten anpassen, ist üblich. Gerade im Fall japanischer Waren ist das oft ein Segen für Europa. Denn immer wieder kriegt das Abendland die Sahnehäubchenversion globaler Angebote präsentiert. Das für mich jüngste Beispiel erfuhr ich kürzlich im Gespräch mit Yuzaburo Mogi, dem Chef des weltgrößten Sojasaucenherstellers Kikkoman. Dessen Standard-Würzung schmeckt überall auf der Welt ähnlich, aber die Herkunft der Bohnen variiert je nach Verkaufsland.

Grundsätzlich bezieht Kikkoman seine Sojabohnen aus den USA, in denen genmodifizierte Gewächse weit verbreitet sind. Für die Sojasaucen-Fabriken in den USA kauft Kikkoman die Bohnen ganz normal am Sojabohnen-Markt ein, ohne sich um die Frage genmodifiziert oder nicht zu kümmern. Denn die Amerikaner sind in dieser Frage nicht so empfindlich, erklärt Mogi. Die Japaner hingegen mögen genetisch manipulierte Ware nicht und Mogi braut die braune Tunke für seine Landsleute daher mit zertifiziert nichtgenmodifizierten Bohnen aus den USA. Doch für Europa reicht das nicht, weiß Mogi. "Die Europäer sind in der Frage noch sensibler als die Japaner." Die halten Bohnen aus Amerika allesamt für genetisch verdächtig. Darum importiert einzig die Sojasaucenfabrik in den Niederlanden Bohnen aus dem unverdächtigen Brasilien.

Ein anderes Beispiel: Selbst japanische Hightech-Gefährte wie Hondas neuer Hybrid Insight werden in Japan und den USA oft mit preiswerten Trommelbremsen ausgerüstet, während die europäische Version Scheibenbremsen besitzt. Als Grund nennen Japans Ingenieure unisono bewundernd ein deutsches Wort: "Autobahn". Das Fehlen des Tempolimits zwingt die Ingenieure dazu, Technik zu verbauen, die besser aus hohen Geschwindigkeiten abbremst, während sie bei Modellen für tempolimitierte Nationen wie Japan oder die USA auch die Kosten limitieren können. Auch Klimaanlagen werden oft in Europa mit einer hochwertigeren Steuerungstechnik als daheim ausgeliefert.

Die Taktik ist alt: Seit Jahrzehnten verkaufen japanische Hersteller ihren ausländischen Kunden hochwertige Ware zu recht niedrigen Preisen, während sie ihre Landsleuten für nicht ganz so Tolles recht stattlich zur Kasse bitten. Durch eine höhere Gewinnmarge daheim konnten die Japaner ihren globalen Vorstoß finanzieren.

Doch in den letzten Jahren gibt es eine interessante Wendung, die wiederum den Wettbewerbsvorteil europäischer Spitzenmarken in Asien schmälern dürfte: Einige Topfirmen beginnen bei bestimmten Schlüsselprodukten, auf die schlechteren Versionen zu verzichten und verkaufen bewusst ihre beispielsweise für die härteren europäischen Umweltstandards entwickelten Produkte auch in anderen Ländern. Mit dem Gütesiegel "Spitze selbst in Europa" wollen sie die in Asien immer noch bestehende Imagelücke zu europäischen Topmarken schließen. Ich hege keine Zweifel, dass ihnen dies gelingt.

So schwer diese unfreiwillige Konkurrenzschulung das Leben für Europas Konzerne auch machen wird, global gesehen könnte Europas Anspruchshaltung im Umweltschutz und anderen Bereichen ihr Gutes haben. Denn über den Umweg steigender Konkurrenz im Heimatmarkt durch den Angriff japanischer Konzerne werden selbst Firmen in Entwicklungsländern, die nicht vorrangig für den Export nach Europa produzieren, gezwungen, sich an das europäische Niveau heranzurobben. Mein Appell aus Japan daher: Legt die Hürden möglichst hoch! (wst)