Nippon enttäuscht beim Klimaschutz
Japans Regierung wird ihrer Führungsrolle im Klimaschutz nicht gerecht. Um 15 Prozent will sie bis 2020 die CO2-Emissionen des Landes senken. Damit bleibt man hinter Europa zurück und versäumt damit die Chance, den Verhandlungen Schwung zu geben.
- Martin Kölling
Japans Ministerpräsident Taro Aso gab sich Mittwoch Abend als großer Klimaretter, als er Japans Pläne zur Senkung der Kohlendioxidemission vorstellte. "Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, benötigen wir die gemeinsamen Anstrengungen der Bürger, der Wirtschaft und der Arbeiter."
Auf den ersten Blick wirkt Aso in Japan wirklich wie ein entschlossener Klimaritter. Aber das war einfach, denn der Unternehmensverband Nippon Keidanren hatte unverfroren gefordert, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um vier Prozent zu erhöhen. Dagegen wirkt Asos Ziel, Japans Emissionen um 15 Prozent zu senken, auf den ersten Blick wirklich extrem ambitioniert. Und Japans Medien werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Japan damit mit den USA gleichzieht.
Auf den zweiten Blick sieht es allerdings weniger toll aus. Als Basisjahr hat Aso nämlich nicht wie die EU 1990 gewählt, sondern 2005. Umgerechnet auf das Jahr 1990 als Basis schnurrt Japans Emissionsziel auf sachte acht Prozent zusammen, wie Greenpeace errechnet hat. Die EU hat 20 Prozent versprochen und eine Erhöhung auf 30 Prozent in Aussicht gestellt, wenn andere Industrienationen ebenfalls harte Schnitte umsetzen.
Japans Vorgabe ist meines Erachtens ein schlechtes Omen für die Verhandlungen über das neue Klimaschutzabkommen, die Ende Dezember in Kopenhagen abgeschlossen werden sollen. Die dänische Umweltministerin Conni Hedegard, die den Gipfel organisiert, hatte in Japan für weit ambitioniertere Ziele gekämpft, um Schwellenländer wie China oder Indien zum Mitmachen zu bewegen. Und mit Japans Versprechen haben die Industrieländer Greenpeace zufolge gerade mal angekündigt, die Kohlendioxidemissionen um fünf bis zwölf Prozent zu senken. Ambitioniert ist das nicht, und ausreichend auch nicht, um die Schwellenländer zu überzeugen, dass die Industrieländer, die bisher hauptsächlich für die Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, wirklich an ihre Schmerzgrenze gehen.
Die Initiative Oxfam hat in ihrem am Mittwoch vorgestellten Bericht "Hang together or separately" eine extrem harte Berechnung aufgestellt, um zu zeigen, wo die wirkliche Schmerzgrenze liegt:In der Presseerklärung heißt es: "Drei Viertel der klimaschädlichen Treibhausgase in der Atmosphäre gehen auf das Konto der Industrieländer. Wissenschaftlichen Berechnungen zufolge müssen die globalen Emissionen bis 2020 wieder auf das Niveau von 1990 sinken, um die schlimmsten Szenarien des Klimawandels zu vermeiden. Etwa die Hälfte dieser Reduzierung müssten die Industriestaaten bei sich zuhause erbringen." Deutschlands "fairer" Anteil läge demnach bei 40,5 Prozent, der Europas und der Vereinigten Staaten von Amerika bei 45 Prozent und der Japans gar bei 57 Prozent.
Japan rechtfertigt sich damit, dass das Land bereits seit langem ein hohes Maß an Energieeffizienz erreicht hat und es daher ungleich schwieriger als in anderen Ländern ist, die Kohlendioxidemissionen stärker zu senken. Fakt ist allerdings auch, dass Japan schon seine im Kyoto-Protokoll versprochenen Reduktionsziele verfehlt hat. Zum Abschluss möchte ich daher Kim Carstensen, den Chef der Klimainitiative des WWF, zitieren: "Wir haben lange gewartet, bis Japan endlich die Welt über seine Emissionspläne informiert. Heute wurde uns etwas vorgestellt, das auf gefährliche Weise jede Ambitionen vermissen lässt." (wst)