Klimapoker für Anfänger
Warum war die Klimakonferenz in Kopenhagen gleich noch mal wichtig?
- Dr. Wolfgang Stieler
Hell freezes over: Die vereinigten Staaten von Amerika bekommen ein Klimagesetz. Wahrscheinlich jedenfalls. Demnach sollen die CO2-Emissionen der USA bis 2020 um 17 Prozent gesenkt werden. Das klingt auf den ersten Blick gut – allerdings ist die Baseline dieser Reduktion nicht das Jahr 1990, das vom internationalen Klimarat IPCC in der Regel für Emissionsszenarien verwendet wird, sondern das Jahr 2005. So schnell relativieren sich die guten Nachrichten. Mal sehen, was von dem Gesetz noch übrig ist, wenn es den US-Senat passiert hat.
Gemessen an den Reduktionen, die nach den neusten Erkenntnissen notwendig sind, ist das natürlich ein schlechter Witz. Trotzdem gibt es viele – darunter auch recht kluge – Menschen, die ihre Hoffnung noch immer auf eine globale politische Einigung setzen. Warum das so ist, hatte ich bis vor kurzem nicht verstanden.
Vor ein paar Tagen hatte ich nun die Gelegenheit, mit einem Abteilungsleiter des dänischen Umweltministeriums zu sprechen, der die COP15-Klimakonferenz in Kopenhagen mit vorbereitet. Leider gelten auch in diesem Fall die (üblichen) politischen Spielregeln: Statements zur Vorbereitung der Konferenz, auf der im Dezember ein Folgevertrag zum Klimaschutzprogramm von Kyoto beschlossen werden soll, gibt nur die Ministerin persönlich. Im Klartext heißt das auch: Alles, was die manchmal eigentlich viel kompetenteren Leute sagen, die die eigentliche Arbeit machen, ist leider nicht zitierfähig.
Trotzdem habe ich aus diesem Gespräch etwas mitgenommen, das ich an dieser Stelle weitergeben kann: Der Optimismus, der diese Leute an der Arbeit hält, ist nicht völlig irrational. Allen Beteiligten scheint nun endlich klar zu sein, dass in Sachen Klimawandel etwas passieren muss – die Tatsachen zu ignorieren funktioniert auf die Dauer nicht. Gleichzeitig verfügt kein Staat der Erde über die Macht, andere Staaten zu CO2-Reduktionen zu zwingen. Dieses Setting definiert nun eine bizarre Art von Poker: Das wichtigste Ziel von Kopenhagen ist ein Abkommen, das nicht von Anfang an ausschließt, dass der globale CO2-Ausstoß so weit gedrosselt wird, dass die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um nicht mehr als zwei Grad ansteigt. Mehr nicht. Wenn man sich in diese Logik hineindenkt – was meiner Meinung nach durchaus ein wenig Übung erfordert – ist das US-Klimagesetz ein Schritt in die richtige Richtung. Man muss Erfolg und Misserfolg nur einfach richtig definieren, dann kann man sich auch an kleinen Lichtblicken freuen. (wst)