Digitales Nummernkonto
Es braucht - wie so oft - ein wenig Kleingeld, um der Erlösung teilhaftig zu werden: Die Deutsche Telekom hat rund 400 Internet-Terminals in Flughäfen, Bahnhöfen, Raststätten, Jugendherbergen und Krankenhäuser aufgebaut.
Wir haben an dieser Stelle ja gelegentlich über die schlimmen Folgen der Internetsucht berichtet. Darum heute etwas Erfreuliches: Denjenigen unter uns, die Schwierigkeiten haben, mehr als eine Stunde ohne Netzzugang auszukommen, kann geholfen werden - auch in Fällen, in denen sämtliche Akkus leer sind und das nächste WLAN unerreichbar fern.
Es braucht allerdings - wie so oft - ein wenig Kleingeld, um der Erlösung teilhaftig zu werden: Denn die Deutsche Telekom hat mittlerweile nach eigenen Angaben rund 400 so genannte Internet Münz-Terminals in Flughäfen, Bahnhöfen, Raststätten, Jugendherbergen und Krankenhäuser aufgebaut. Über eines dieser Geräte bin ich neulich auf dem Bahnsteig von Gleis acht im Hauptbahnhof Hannover gestolpert - ich hatte ein wenig Zeit zu verdaddeln, weil der ICE nach Hamburg aus "betriebsbedingten Gründen" erst 20 Minuten später einlaufen sollte, als geplant.
Das Teil verfügt über eine - wahrscheinlich vandalismus-sichere - Stahl-Tastatur mit viel zu kleinen Knöpfen, die sehr weit auseinander liegen. Um die mageren Einnahmen ein wenig aufzupeppen, vermarktet die Telekom das Terminalfenster für Online-Werbung. Wer auf einen der gesponsorten Links klickt, um weiter zu surfen, muss allerdings genauso viel zahlen wie der unbeworbene Surfer. Um die Sache noch ein wenig schwieriger zu gestalten, hat man zum Verfassen einer E-Mail nur fünf Minuten Zeit. Wer länger tippen will, muss noch einmal 30 Cent nachwerfen. Ja, ganz richtig gelesen: Eine E-Mail kostet 30 Cent - das ist fast wie zu seligen Bundespost-Zeiten: Die Nachrichten, die man seinerzeit im Bildschirmtext (BTX) verschicken konnte, sollten ursprünglich auch etwa so viel kosten, wie eine Postkarte.
Der vergleichsweise hohe Preis ist allerdings wahrscheinlich bitter notwendig - als Sicherung gegen Spammer. Denn wenn man die Mail abschicken will, fragt die Software zwar selbstverständlich nach einem Absender, akzeptiert aber jeden Blödsinn, wenn nur ein @ dazwischen steht. Wer sich also den Spaß machen will, mal wieder eine Mail mit dem Absender Dr.Schauble@Kanzlerbunker.de zu verschicken - bitte sehr. Leider verrät das Terminal dem Empfänger allerdings auch seine echte E-Mail-Adresse: In meinem Fall war das T_Com5113068546@t-online.de. Vielleicht war ursprünglich daran gedacht, dass man an die Terminals auch Mails schicken kann - so wie man in diesen amerikanischen Thrillern ja auch immer sieht, wie Leute an Telefonzellen angerufen werden.
In einem akuten Anfall von leichter Persönlichkeitsspaltung habe ich die auf dem zugigen, kalten Bahnsteig verfasste Mail an mich selbst adressiert. Und natürlich auch beantwortet. Die Antwort an T_Com5113068546@t-online.de hat keine Fehlermeldung ausgelöst. Die Adresse scheint also zu existieren. Aber was ist mit der Antwort passiert? Ist sie im digitalen Nirvana gelandet? Schlummert sie in irgendeinem Data Center der Telekom auf irgendeiner Festplatte? Oder hat sie sich tatsächlich wieder zum Bahnhof durchgeschlagen? Auf Bahnsteig Acht in Abschnitt E. (wst)