Voll verschwitzt

Energy Recapture: Wie man im SchweiĂźe seines Angesichts die Welt retten kann!

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Wenn mir das vor 20 Jahren einer gesagt hätte: Die DEUTSCHE BundeskanzlerIN legt sich mit der französischen Atomlobby an, um für die EU ehrgeizige Klimaziele durchzusetzen. Eine Naturwissenschaftlerin, und dann auch noch aus dem Osten. Ich hätte zumindest eine falsche Dosierung vermutet – wenn nicht Schlimmeres.

Aber es ist wahr. Öko ist wieder voll da, eyh: Mit allen den schönen Aspekten der Selbstgerechtigkeit – ist mir doch egal, dass sich die armen Schlucker keinen Prius leisten können. ICH rette die Welt –, des Alarmismus – "Geheimer Bericht über den Klimawandel: In 13 Jahren geht die Welt unter!" – und natürlich dem heimlichen Masochismus, der dieser Szene auch schon vor 30 Jahren innewohnte.

Jetzt aber auch noch in Verbindung mit feinster Hightech: Bereits im November berichtete der Kollege Charisius ja darüber, dass man in Amsterdam auf der Tanzfläche seinen eigenen Strom erzappeln kann. Vor Kurzem konnte man nun in Nature nachlesen, dass der California Fitness Club in Hongkong diesen Trend zum "energy recapture" aufgegriffen hat: Wer mag, kann den Stepper oder das Fahrrad mit einem Generator koppeln. Die Ausbeute ist zwar lächerlich gering, aber Experten wie der Energieberater Graeme Bathurst meinen, das im Schweiße des eigenen Angesichts erwirtschaftete Kilowatt schärfe den Menschen endlich wieder das Bewusstsein dafür, wie wertvoll Energie doch sei.

Ja ja, das könnte schon was werden – sozusagen ökologisch gesehen der große Sprung nach vorn. Wenn die Nachfrage groß genug ist, gibt es solche Maschinen bestimmt auch bald beim Discounter zu kaufen. Und dann kommt der erste Rechner mit Nähmaschinen-Trittpedal zur autarken Stromversorgung. Dann regelt sich das Problem der Informationsüberflutung ganz von selbst: Allein die Vorstellung, wie viel Energie für das Schreiben und Verbreiten dieses Blog-Eintrages verballert wird. Schockierend! (wst)