Go Local!
Warum der Griff zu Google bei ortsgebundenen Informationen nicht immer der allerbeste Tipp ist.
Neulich musste ich die nächstgelegene Filiale einer Handelskette auftreiben, von der es in dieser unserer schönen Hauptstadt ungefähr ein Dutzend gibt. Die ansprechend gestaltete Website des Unternehmens, stellte ich schnell erfreut fest, enthielt auch ein so genanntes Mash-up: Eine hübsch dargebotene Google Maps-Karte, in der die einzelnen Läden mitsamt weiterer Infos wie Öffnungszeiten und Spezialangeboten verzeichnet waren.
Guten Mutes druckte ich mir nach Auffinden der passenden Filiale also diese Karte aus, um mich in die S-Bahn zu setzen und in knapp 20 Minuten an den gewünschten Ort zu gondeln. An meinem Ziel angekommen, erwarte mich allerdings eine unangenehme Überraschung: Die Karte war total falsch. Ich war offensichtlich eine S-Bahn-Station zu früh ausgestiegen, jedenfalls befand sich der Laden knappe 1,5 Kilometer östlich der bei Google Maps angegebenen Position (Berliner Straßen sind lang). Da ich zur Gruppe jener Menschen gehöre, die die Ladenöffnungszeiten voll ausnutzen, hätte mir die Filiale um ein Haar auch noch die Tür vor der Nase zugemacht. (Mein Dank gilt an dieser Stelle der Ladenleitung!)
Als ich dann völlig fertig von dem langen Marsch wieder zuhause ankam (diesmal nahm ich die richtige, 20 Meter entfernt liegende S-Bahn-Station!), recherchierte ich ein wenig. Ergebnis: Die von Google Maps angegebene "Hausnummerngenauigkeit" ist ein leidlich variabler Faktor. Offensichtlich wird bei der deutschen Karte irgendein merkwürdiger Algorithmus verwendet, der die Position eines Hauses innerhalb einer Straße mit Voodoo-Magie feststellt, nicht jedoch unter Berufung auf ortsübliche Standards. (Manchmal funktioniert das ganz gut, manchmal, wie in meinem Beispiel, aber leider überhaupt nicht.)
Es ist schon recht erstaunlich, dass Google trotz der hohen Popularität seiner Maps-Anwendung auch in Deutschland (kein hippes Web 2.0-Angebot kommt ohne Mash-up-Einbau aus!) eine derart durchwachsene kartografische Qualität abliefert. Das gilt übrigens auch für andere Länder Europas, wie ich bei der Urlaubsplanung erleben konnte: Auch in Skandinavien haut Google Maps manches Mal daneben, von den teils sehr schlecht auflösenden Satellitenbildern ganz abgesehen.
Fazit: Es macht immer wieder Sinn, neben der großen Suchmaschine auch ein paar lokale Anbieter zu kennen – in Deutschland sei hier z.B. der Stadtplandienst und im obigen Beispiel Skandinavien das exzellente kart.finn.no empfohlen. Bei Google ist in der großen Angebotsbreite eben nicht immer alles Gold was glänzt. Wer sich vorgenommen hat, die Informationen der ganzen Welt aufzubereiten, muss wohl hier und da auch mal mit grobem Kamm vorgehen. (wst)