Ein Netz, das scheinbar niemand braucht

Seit einem Jahr versucht die Telekom nun schon, Bürgern in den Großstädten ihr neues VDSL-Netz schmackhaft zu machen - das sie eifersüchtig mit niemandem teilt. Der Erfolg ist übersichtlich. Aus gutem Grund.

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Wer demonstriert bekommen möchte, warum Monopole im Telekommunikationsmarkt eben nicht funktionieren, sollte einmal auf dieser Website vorbeischauen. Das ist die äußerst konfuse wie komplexe Angebots-Homepage, auf der die Festnetzabteilung der Deutschen Telekom, einst "T-Com" und heute "T-Home", ihr exklusives VDSL-Angebot mit dem schönen Namen "T-Entertain" zu vermarkten trachtet.

Dort kann man sich merkwürdige wie dickleibige Multimedia-Pakete zusammenstecken lassen, die dann mit neuester High-Speed-Internet-Netztechnik mindestens 70 Euro kosten und dafür auch noch für jeweils satte 24 Monate vertraglich abzuschließen sind. Das Angebot, das man dort erhält, wird von der Telekom gehütet wie ein Schatz: Die ADSL-Nachfolgetechnik VDSL ist nämlich bekanntermaßen derzeit nur vom ehemaligen Monopolisten zu haben - dank von einer großen Koalition der Ahnungslosigkeit durch den Bundestag gewunkener Gesetze, die selbst die EU-Kommission scharf kritisiert und juristisch bekämpft.

Die Telekom argumentiert, dass sie die neue Supernetztechnik, die bis zu 50 Megabit pro Sekunde (theoretisch ginge sogar das Doppelte) in die Haushalte liefern kann, so teuer ist, dass man diesen "neuen Markt" nicht einfach mit der Konkurrenz teilen könne. Die Früchte dieser Arbeit müsse man also erst einmal alleine genießen können.

Doch so wirklich gut klappt das nicht. Offensichtlich träge geworden, bietet man die obigen Paketangebote Marke Riesenklotz, die nicht einmal die eigene Hotline versteht: TV-Sender per IPTV noch und nöcher ("Triple Play"), von denen ein Großteil bereits über Satellit ins Haus kommt (oder von Premiere und anderen Anbietern zu haben ist), VoIP-Flatrates, Anti-Virus-Pakete und noch viel mehr. Abgezielt wird dabei auf einen möglichst hohen Monatsumsatz pro Kunden.

Dass dieser angesichts der finanziellen Lage großer Teile der Bevölkerung sowie den diversen Billig-Internet-Tarifen der Konkurrenz nicht zu "T-Entertain" rübermacht, ist schnell verständlich. Die Telekom nennt zwar keine aktuellen Zahlen für "T-Entertain", doch hinter vorgehaltener Hand sollen sie erbärmlich sein.

Ein wirklich großer technischer Fortschritt ist VDSL sowieso nur dann, wenn es mit der bei der Telekom möglichen Maximalgeschwindigkeit von 50 Megabit daherkommt - und das ist bei weitem nicht in allen Ausbaugebieten so. Standard sind "nur" 25 Megabit - und die liegen gefährlich nahe an der inzwischen (fast) überall zu bekommenden 16 Megabit-Variante in herkömmlicher, "alter" ADSL-Technik.

Das VDSL-Monopol erweist sich also als echter Hemmschuh bei der Annahme des nächsten Schrittes der hiesigen Breitband-Revolution - während die meisten ADSL-Fortschritte von fast allen Marktteilnehmern im Nullkommanix nachvollzogen wurden und so schnell auf eine breite Kundschaft stießen ("Toll, wieder flotter geworden!"), hinkt VDSL nun hinterher.

Wer weiĂź, vielleicht entscheidet sich die Telekom einfach aus purer Not doch noch zum monopolbrechenden Resale-Einlenken. Schon allein deshalb, weil ihre Infrastruktur so gering ausgelastet ist, dass sie sich erst mit der Nutzung durch die Konkurrenz wieder lohnt. (wst)