Yahoo-Chef Yang reif fĂĽr die Insel

Heise-resale-Kolumnist Damian Sicking empfiehlt Yahoo-CEO Jerry Yang, erst einmal auszuspannen und seinem Troubleshooter Roy Bostock das Feld zu ĂĽberlassen.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Yahoo-Chef Jerry Yang,

Yahoo-CEO Jerry Yang: Reif fĂĽr die Insel?

wie geht es Ihnen? Schätze, nicht so besonders, gell? Erst der Liebesentzug durch Microsoft, dann der Liebesentzug durch die aufgebrachten Yahoo-Aktionäre. Und jetzt werden Sie auch noch mehr oder weniger kaltgestellt. Yahoo-Aufsichtsratschef Roy Bostock springt in die Bresche und soll retten, was noch zu retten ist. Vielleicht schafft der 67-jährige Manager, der den Ruf eines abgebrühten Troubleshooters hat, Microsoft-Chef Steve Ballmer noch einmal an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Ballmer ist aber jetzt angeblich mehr an der Community-Plattform Facebook interessiert. Sollte Bostock bei Microsoft eine Abfuhr erhalten, soll er wenigstens die wutschnaubenden Yahoo-Aktionäre beruhigen.

Eine Insel fĂĽr erholungsbedĂĽrftige CEOs

Was mich an der ganzen Geschichte am meisten irritierte, war weniger der in meinen Augen horrende Kaufpreis für Yahoo von fast 50 Milliarden Dollar, und auch nicht die Weigerung von Microsoft, noch eine Schüppe drauf zu legen. Nein, was ich sehr befremdlich fand – um nicht zu sagen: abstoßend –, war Ihr Verhalten, nachdem Microsoft das Angebot zurückgezogen hat. Denn statt wie ein Mann vom Pokertisch aufzustehen und die Niederlage zuzugeben und meinetwegen im stillen Kämmerlein zu leiden und seine Enttäuschung im Whiskey zu ertränken, fingen Sie an, wie ein kleiner Bengel öffentlich zu flennen und beschwerten sich darüber, dass Steve Ballmer einfach aus dem Sandkasten weggegangen sei und nicht mehr mit Ihnen spielen wolle. Erst machten Sie auf "harter Hund", und nachdem dieser Bluff nicht funktionierte, warfen Sie sich in den Staub und jammerten, dass das alles nicht so gemeint war. "Ich bin mehr als bereit, mit Steve darüber zu sprechen, ob er auch mal mit der blauen Schippe spielen darf", hieß es plötzlich, nachdem Sie sich vorher geweigert hatten, auch nur darüber nachzudenken. Was für ein jämmerlicher Auftritt. Peinlich. Erbärmlich. Unwürdig für einen Mann, der an der Spitze eines Unternehmens steht, das er für mehr wert als 47,5 Milliarden Dollar hält.

Mann, Herr Yang! Warum haben Sie sich nicht selbstbewusst und stark vor die Menge gestellt und erklärt: "Ja, ich hab´s versemmelt. Ich habe hoch gepokert und verloren. Dumm gelaufen. Sorry!" Meinetwegen hätten Sie auch bei Ihrem Standpunkt bleiben können, dass das Microsoft-Angebot schlicht und ergreifend zu niedrig war. Alles wäre besser gewesen als Ihr Geflenne. Wer soll Sie jetzt noch ernst nehmen? Mögliche Yahoo-Kaufinteressenten wahrscheinlich nicht.

Absolut die richtige Entscheidung daher, mit Roy Bostock jemanden nach vorne zu schicken, der ein besseres Standing hat als Sie. Meine Empfehlung an Sie, lieber Herr Yang: Suchen Sie sich eine schöne Insel und machen Sie erst mal Urlaub.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking ()