78 Milliarden geboten: Neuer Höhenflug bei UMTS-Versteigerung
Zum Abschluss des heutigen Montag übertrafen die sechs verbliebenen Unternehmen bei der Auktion der UMTS-Lizenzen mit der Lizenzsumme das Ergebnis der Versteigerung in Großbritannien.
Zum Abschluss des heutigen Montag übertrafen die noch sechs verbliebenen Unternehmen bei der Auktion der UMTS-Lizenzen in Deutschland mit ihren Geboten bei der Lizenzsumme zum ersten Mal den Erlös aus der UMTS-Versteigerung in Großbritannien. Alle sechs Firmen gaben für jeweils zwei Freuqenzblöcke ein Höchstgebot ab und hätten damit eine gültige UMTS-Lizenz ersteigert. Die Lizenzsumme (Gebote für Kombinationen aus Frequenzpaketen, die eine gültige UMTS-Lizenz aus mindestens zwei und höchstens drei Paketen ergeben) lag bei 78,001 Milliarden Mark; dies war auch gleichzeitig die Summe der Höchstgebote für einzelne Frequenzpakete. In Großbritannien spülte die Versteigerung der UMTS-Lizenzen rund 75 Milliarden Mark in die Staatskasse. Am meisten bot 3G für zwei Frequenzpakete mit insgesamt 13,39 Milliarden Mark, gefolgt von T-Mobil (13,33 Milliarden Mark), Mannesmann Mobilfunk (12,96 Milliarden Mark), Viag Interkom (12,85 Milliarden Mark, E-Plus (12, 78 Milliarden Mark) und Mobilcom (12,68 Milliarden Mark). Ein einzelnes Frequenzpaket ist nicht mehr unter 6,2 Milliarden Mark zu bekommen.
An dieser Stelle könnte die Versteigerung eigentlich zu Ende sein: Alle Frequenzblöcke sind gleichmäßig auf die verbliebenen Bewerber verteilt, kein Unternehmen müsste ohne UMTS-Lizenz nach Hause gehen. Dies war aber beispielsweise bereits in der 131. Runde schon einmal der Fall; auch da hätte die Versteigerung abgeschlossen werden können, wenn keiner der Bieter ein höheres Angebot vorgelegt hätte. Trotz der hohen Preise wollen sich einige Unternehmen offenbar aber nicht mit einer kleinen Lizenz zufrieden geben. Dies ist aber nur möglich, wenn mindestens ein weiterer Bewerber aus dem Bieterkampf ausscheidet.
Für die 139. Auktionsrunde, mit der die Versteigerung am morgigen Dienstag fortgesetzt wird, ist also für Spannung gesorgt: Belassen es die Firmen dabei, oder wollen einige doch eine "große Lizenz" aus drei Frequenzblöcken haben? Weiter zu steigern wird den Unternehmen allerdings etwas vereinfacht: Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, kündigte eine Absenkung der Mindesterhöhung bei neuen Geboten für die 139. Runde an. Danach müssen die Bieter die Höchstgebote in einem der zwölf Frequenzblöcke nicht mehr um zehn, sondern nur noch mindestens um fünf Prozent übertreffen. Durch das so genannte Mindestinkrement lagen die Zuwächse in einem Block zuletzt bei über 600 Millionen Mark. Mit der Absenkung der mindestens geforderten Zuwachsrate soll sicher gestellt werden, dass die zu vergebenden vier bis sechs Lizenzen in etwa gleich teuer werden, begründete Scheurle seine Ankündigung.
Allerdings hatte die Münchener Viag Interkom schon angekündigt, wegen der hohen Kosten nur noch für eine kleine Lizenz zu bieten. Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt mit "kaufmännischen Überlegungen". Michael Rebstock, Sprecher von Viag, kommentierte: "Es ist fraglich, ob die Gebote nach ökonomischem Sachverstand vertretbar sind." Die Unternehmen würden ausgepresst wie eine Zitrone, andere hingegen hätten glänzende Augen. Doch Viag habe keine andere Wahl, als mit einer Lizenz nach Hause zu gehen, "sonst werden wir von den Finanzmärkten abgestraft".
Insgesamt sind noch sechs Bewerber im Rennen. Wegen der rasant gestiegenen Gebote hatte sich die Stuttgarter Debitel, eine Tochter der Swisscom, am vergangenen Freitag aus der Auktion zurückgezogen. Laut Scheurle ist derzeit ein Ende der Versteigerung nicht absehbar – Ende letzter Woche sprach er dagegen noch davon, der Abschluss der Auktion sei in Sicht. "Wir sind noch nicht auf der Zielgraden", meinte Scheurle heute. "Wir haben nach wie vor sechs starke Bieter, die zum Teil unterschätzt worden sind."
Während der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, vor zu hohen Preisen für die neuen Funklizenzen warnte, sah Scheurle die unaufhaltsam in die Höhe schnellenden Gebote gelassen. Er sprach von einem Findungsprozess, der mit einem Experiment zu vergleichen sei. "Am Ende kommt dann etwas heraus." Dass die Höchstgebote am Vormittag innerhalb von drei Stunden um rund sieben Milliarden DM stiegen, fand allerdings auch Scheurle "einmalig". Von einer Mittelphase der Auktion könne zwar nicht mehr gesprochen werden, ein Ende sei aber noch nicht in Sicht. Beobachter rechnen angesichts der hohen Gebote in den nächsten Tagen aber mit einer Entscheidung. Die Auktion ist beendet, wenn keiner der Bieter in einer Runde ein neues Höchstgebot vorlegt. (jk)