Begehrter Stoff

Cabrios und Roadster verkaufen sich etwas zäh, außer, sie tragen ein Stoffdach wie der jüngst neu aufgelegte Mazda MX-5, der offene 2er BMW oder das Mercedes S-Klasse Cabrio, um nur einige zu nennen. Dafür gibt es Gründe

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Von
  • Stefan Grundhoff
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München, 9. Juli 2015 – Cabrios und Roadster verkaufen sich etwas zäh, abgesehen vom jüngst neu aufgelegten Mazda MX-5, dem offenen BMW 2er oder dem Opel Cascada. Aber auch das Mercedes S-Klasse Cabrio, der offene GT AMG Roadster oder das 2016 kommende Audi A5 Cabrio werden ihre Luxuskunden finden. Diese ansonsten ziemlich verschiedenen Autos haben eine Gemeinsamkeit: Sie tragen ein Dach aus Stoff.

Das Gleiche gilt schon immer für die offenen Porsche-Modelle Boxster und 911 Cabrio. Beim offenen Elfer gilt das jedoch nur auf den ersten Blick. Denn unter dem Bezugsstoff besteht das bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h zu öffnende Flächenspriegelverdeck aus vier großen Dachsegmenten, die sich per Knopfdruck kunstvoll entfalten. Die Hightech-Spriegel bestehen aus Magnesium, die Verdeck-Lenker aus ebenso leichtem wie hochfesten Aluminium. Das Dach selbst ist daher eine Mischung aus Stoff- und Klappdach. 13 Sekunden dauert es, bis der 911er den vollautomatischen Strip hingelegt hat.

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Der Mercedes-Benz R129 war der letzte SL mit Stoffdach.

Auch bei anderen Herstellern überlegt man, die Symbiose aus Stoffdach und festen Dachelementen für die kommenden Generationen zu nutzen. Im Gespräch sind hier unter anderem die offenen Versionen von Mercedes C- / E-Klasse, BMW 4er und Audi A5. Auch der nächste Mercedes SL soll ein Stoffdach bekommen wie der einst beliebte R 129, der 2000 auslief. Die Modellpflege des aktuellen Mercedes SL wird es jedoch beim Klappdach belassen, auch, wenn sich dieses nur im Stand öffnen und schließen lässt.

Der Klappdachtrend, der Mitte der 90er Jahre mit Mercedes SLK und dem Peugeot-Doppelpack aus 207cc und 307cc begann, ist Vergangenheit und hat seine Berechtigung heute fast nur noch bei offenen Doppelsitzern. Damals ging es um größere Volumina, da die Klappdachcabrios als vollwertige Erstfahrzeuge gekauft wurden. Heute bewegen viele die deutlich kleiner gewordene Anzahl von rollenden Sonnenterassen als Zweit- oder Drittwagen. Der einstige Cabriomassenhersteller Peugeot hat beispielsweise gar kein Cabrio mehr im Angebot. Auch Ford, Volkswagen, Mitsubishi, Volvo oder Nissan zogen die meisten ihrer offenen Modelle zurück und ersetzten diese durch beliebte SUV-Allzweckwaffen. Bei der dadurch gestiegenen Exklusivität der verbliebenen Modelle kann der eine oder andere auch bei geschlossenem Dach stolz zeigen wollen, dass er ein echtes Cabrio und kein Coupé bewegt.