EEStor: Der nächste Versuch
Die lange erwartete "revolutionäre Batterietechnologie" eines US-Start-ups soll nun wirklich bald verfügbar sein, verspricht die Firma.
- Tyler Hamilton
Das geheimnisumwitterte Start-up EEStor, dessen ultrakondensatorbasierte Energiespeicher eines Tages konventionelle Batterien überflüssig machen sollen, will Skeptikern beweisen, dass sein Ansatz nicht ins Reich der Fantasie gehört.
Die texanische Firma EEStor hatte zuvor allerlei mutige Aussagen zur Leistungsfähigkeit ihrer Technologie gewagt, ohne je ein kommerzielles Produkt zeigen zu können. Ein Vertrag, den das Unternehmen in den letzten Wochen mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin abgeschlossen hat, spricht nun allerdings dafür, dass EEStor langsam Fortschritte macht – genügend jedenfalls, um den Giganten der Rüstungsindustrie von sich zu überzeugen. Die neue Übereinkunft gibt Lockheed eine exklusive internationale Lizenz, die Energiespeichersysteme des Start-ups für Anwendungen im Militär- und Heimatschutzbereich einzusetzen – von fortschrittlichen Fernlenksensoren über Raketensysteme bis hin zu Akkupacks für Soldaten und Elektrofahrzeuge. Die Technologie könne die "Energieunabhängigkeit des Militärs" ermöglichen, hieß es in einem Statement von Lockheed.
Der Rüstungskonzern hat selbst allerdings auch noch keinen funktionierenden Prototyp von EEStors neuer Superbatterie gesehen. Doch wichtige Qualifizierungstests und die tatsächliche Massenproduktion der EEStore-Technologie seien Ende 2008 geplant, heißt es in der Ankündigung. Zu weiteren Details der Partnerschaft machte Lockheed keine Angaben. Stattdessen hieß es, man habe die "volle Absicht", in den nächsten zwölf Monaten mit EEStor zusammenzuarbeiten, um das System im Militäreinsatz in das Prototyp- und Demonstrationsstadium zu bringen. Lionel Liebman, Programmentwicklungsmanager in der Abteilung für angewandte Forschung bei Lockheed, sagte, man sehe "jede Menge Anwendungsbereiche" für die EEStor-Technik.
Das patentierte Batteriesystem ist laut Angaben des Unternehmens eine ungiftige, sichere und vor allem kostengünstigere Alternative zu konventionellen elektrochemischen Akkutechnologien. Es soll die zehnfache Energiedichte von Bleibatterien bieten. Die weiteren Eigenschaften klingen ebenso fantastisch: Eine enorm schnelle Aufladung und eine nahezu unendliche Wiederaufladbarkeit – sehr langlebig sei die Technik obendrein. Doch viele Experten waren bislang skeptisch, weil das von EEStor verwendete Grundmaterial so schwierig zu handhaben ist – ein keramisches Bariumtitanat.
Da es um das Start-up sehr lange sehr ruhig blieb, verstärkte sich diese Skepsis noch. Die letzte öffentliche Ansage vor der Lockheed-Ankündigung stammte aus dem Januar 2007, als bekannt gegeben wurde, dass es der Firma gelungen sei, ein hochreines Bariumtitanat mit Hilfe seiner ersten automatisierten Produktionslinie zu schaffen. Doch fertige Batterien können auch heute nicht geliefert werden – auch nicht an den Minderheitsgesellschafter ZENN Motor, einen Elektrofahrzeughersteller, der sie sehr gerne einsetzen würde. Ursprünglich war die Nutzung bereits im ersten Halbjahr 2007 geplant gewesen.
EEStor-Firmenchef Richard Weir wollte weder den Entwicklungsstand noch das Abkommen mit Lockheed näher kommentieren. In einer E-Mail an Technology Review schrieb er nur, man plane eine "Pressemitteilung zu technischen Neuigkeiten" in naher Zukunft. Dann könne er sich auch näher zu EEStors Fortschritten äußern.
ZENN-Boss Ian Clifford bleibt unterdessen optimistisch: "Jede Veränderung des Liefertermins hatte gute Gründe." Der Lockheed-Vertrag verleihe der Technologie nun "noch mehr Glaubwürdigkeit". ZENN erwartet die Auslieferung der Speichereinheiten nun Mitte 2008. Das sei dann aber auch kein Prototyp, sondern ein kommerzielles Produkt in Massenproduktion, betont Clifford. "Es geht hier um die Kommerzialisierung, nicht um das Erreichen technischer Meilensteine. Wir stehen ständig mit EEStor in Verbindung und besuchen die Firma auch." Nach jedem Treffen sei man noch begeisterter von der Technologie und bestärkt, "dass das klappen wird".
ZENN hat bereits den Motor seines aktuellen Elektrofahrzeuges ausgetauscht – auch um auf die EEStor-Technik vorbereitet zu sein. "Wir sind die ersten in der Warteschlange", betont Clifford. Dementsprechend gingen auch die ersten fertigen Produkte, die bei EEStor vom Band liefen, direkt an ZENN. "So verstehen wir das [jedenfalls]."Lockheed-Mann Liebman, der selbst die EEStor-Produktionsstätte besucht hat und sich davon beeindruckt zeigte, bekräftigte ebenfalls sein Vertrauen in die Firma. Die Technologie erlaube eine schnelle Produktionsausweitung. Die Technologie sei "sehr, sehr echt". (bsc)