Autonome E-Taxis könnten Emissionen stark reduzieren

Neu gestaltete, selbstfahrende Taxis mit Elektroantrieb haben laut einer Studie das Potenzial, den Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehr deutlich zu senken – wenn sie nicht so attraktiv sind, dass sich die Zahl der Fahrten deutlich erhöht.

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Von
  • Will Knight

Neu gestaltete, selbstfahrende Taxis mit Elektroantrieb haben laut einer Studie das Potenzial, den Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehr deutlich zu senken – wenn sie nicht so attraktiv sind, dass sich die Zahl der Fahrten deutlich erhöht.

Im Jahr 2030 könnten selbstfahrende Elektrotaxis die Straßen bevölkern – und dabei laut einer neuen wissenschaftlichen Analyse pro Kilometer im Durchschnitt nur ein Zwanzigstel der Treibhausgase heutiger Autos ausstoßen. Dadurch würden auch die Gesamtemissionen deutlich sinken: Verkehr macht heute weltweit 13 Prozent davon aus.

Die neuen Berechnungen, veröffentlicht Anfang Juli in Nature Climate Change, stammen von Jeffery Greenblatt und Samveg Saxena, zwei Forschern am Lawrence National Laboratory in Kalifornien. Demnach könnten die Emissionen autonomer Taxis zwischen 87 und 94 Prozent unter denen durchschnittlicher Autos von heute liegen. Der genaue Umfang der Verringerung hängt davon ab, welche Treibhausgasemissionen die Stromerzeugung im Jahr 2030 noch verursacht.

Das Szenario der Forscher enthält jedoch wichtige Annahmen: Es geht davon aus, dass autonome Taxis höchstwahrscheinlich elektrisch fahren und dass sie kompakter und effizienter gestaltet sein können, weil kein Fahrer und meist nur wenige Passagiere an Bord sein dürften.

So oder so liefert die Studie einen interessanten neuen Blick auf die Auswirkungen, die mehr Fahrzeugautomation relativ schnell haben könnte. "Wenn man sich anschaut, was bei geteilten Fahrzeugen passiert, zeigt sich, dass deutlich mehr Energieeinsparung möglich ist", sagt Greenblatt. "Ich war überrascht, wie viel billiger der Betrieb eines Elektroautos ist, wenn es 100.000 Kilometer pro Jahr fährt."

In den letzten Jahren hat es deutliche Fortschritte bei der Kommerzialisierung von Technologie für autonomes Fahren in vielen Situationen gegeben. Mehrere Autohersteller wollen in näherer Zukunft zum Beispiel Technologie für vollautomatisches Autobahnfahren auf den Markt bringen.

Bis gewöhnliche Autos vollständig autonom sind, wird es vielleicht noch viele Jahre dauern. Bei Taxis aber könnte es schneller gehen. Automatisch koordinierte Fahrzeugflotten hätten Vorteile, vor allem auf häufig wiederholten Strecken. Für die Verkehrswirtschaft könnte dies grundlegende Veränderungen einschließlich wegfallender Arbeitsplätze bedeuten. Und laut der neuen Studie wären auch die Umweltwirkungen signifikant.

"Ich würde sagen, bei der Emissionsreduzierung liegen sie im richtigen Bereich", sagt Ryan Chin, ein Forscher am MIT Media Lab, der sich mit den Auswirkungen von autonomen Fahrzeugen beschäftigt.

Uber ist ein weiteres Beispiel fĂĽr eine Technologie, die die Taxibranche auf den Kopf stellt. Der Limousinendienst hat vor kurzem Millionen in ein Forschungszentrum fĂĽr autonomes Fahren in Pittsburgh investiert und dafĂĽr unter anderem Forscher von der angesehenen Robotik-Abteilung der Carnegie Mellon University abgeworben.

Frühere Arbeiten zeigen, dass selbst eine partielle Automation bedeutende ökologische Vorteile haben kann. Laut einer Studie der Intelligent Transport Society of America aus dem Jahr 2014 zum Beispiel könnte verstärkte Automatisierung von Autos den Spritverbrauch das nächste Jahrzehnt über um 2 bis 4 Prozent pro Jahr sinken lassen.

Wie genau sich eine so bedeutende technische Umstellung vollziehen wird, lässt sich allerdings kaum voraussagen. "Die Zukunft der Energie im Verkehr hängt davon ab, wie das System von den Menschen genutzt wird, und es gibt Gründe zur Vorsicht", schreibt Austin Brown, ein Wissenschaftler am National Renewable Energy Lab der USA, in einem Begleitartikel zu der neuen Studie in Nature Climate Change. "Kleine, effiziente Fahrzeuge werden mit größeren, komfort- oder produktivitätsorientierten Fahrzeugen um Kunden konkurrieren müssen."

Greenblatt und Saxena schreiben, selbst bei einer deutlichen Zunahme der gefahrenen Kilometer (mit insgesamt fünfmal so hohem Energieverbrauch wie in ihrem Modell angenommen) hätten autonomere Taxis noch Vorteile. Brown allerdings argumentiert, dass die Bequemlichkeit von autonomen Chauffeuren on demand dazu führen könnte, dass weitaus mehr gefahren wird als heute: "Man kann nicht sicher abschätzen, wie sehr sich die Nachfrage erhöht, wann zum Fahren nicht mehr die Aufmerksamkeit des Fahrers erforderlich ist."

(sma)