US-Konjunkturpaket: Batterietechnik als großer Gewinner
Die Obama-Regierung will der Industrie dabei helfen, neuartige Akkus für Elektro- und Hybrid-Autos zu schaffen - und zwar mit hohem Kapitaleinsatz.
- Kevin Bullis
Das Konjunkturpaket des US-Kongresses könnte dabei helfen, eine milliardenschwere neue Batterieindustrie in dem von der Rezession gebeutelten Land zu errichten, die bald zentrale Komponenten für sparsame Hybrid- und Elektrofahrzeuge liefert. Darauf hoffen jedenfalls Vertreter aus dem Lager der erneuerbaren Energien. So soll etwa Geld in den Aufbau eines verbesserten Stromnetzes fließen, bei dem neue, umweltfreundliche Fahrzeuge dann die Zusatzenergie aus Wind- und Sonnenkraft speichern könnten.
Das fast 790 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket, das die Obama-Regierung unter zähem Ringen durch den Kongress brachte, enthält mehrere Dutzend Milliarden Dollar an Krediten, Fördermitteln und Steueranreizen, die in die Verbesserung der Batterieforschung und den Aufbau entsprechender Herstellungskapazitäten fließen könnten. Gefördert werden sollen außerdem Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, die per Steckdose aufgeladen werden können.
Wichtige Fortschritte bei der Batteriechemie, darunter die Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Akkus, wurden in den vergangenen Jahren in den USA gemacht. Die Herstellung erfolgt dennoch weiterhin zu großen Teilen außerhalb des Landes, vor allem in Asien. Im Ergebnis lassen die Start-ups, die in Amerika entwickeln, ihre Technik dann im Auftrag fertigen. Doch das müsse nicht so bleiben, glaubt Prabhakar Patil, Chef von Compact Power, einer Tochter des südkoreanischen Batteriespezialisten LG Chem, die ihren Sitz in Troy, Michigan, hat. Die Herstellung sei weitgehend automatisiert, so dass die Arbeitskosten kein großes Problem darstellten. Die Produktion sei vor allem deshalb in Asien, weil sich dort in Ländern wie Japan das erste große Nachfragehoch entwickelt habe – mit tragbarer Elektronik und Hybrid-Fahrzeugen wie denen von Toyota.
Mit den Veränderungen des Marktes, der sich inzwischen weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbaren Energieformen zu entwickeln scheint, ist nun auch in den USA ein Wachstum im Bereich der fortschrittlichen Batterien wahrzunehmen. Kombiniert mit staatlichen Anreizen könnte sich daraus nun eine echte Industrie mit herausragenden Herstellungskapazitäten entwickeln.
Bis es soweit ist, müssen Experten zufolge allerdings noch einige Hindernisse überwunden werden. Noch sind Investoren nur zögerlich bereit, größere Mengen ihres Kapitals in die neuen Batteriefabriken zu stecken, weil sie den lokalen Absatzmarkt noch für zu klein halten. Und klein ist der vor allem deshalb, weil Batterien noch sehr teuer sind – was wiederum im Teufelskreis begründet liegt, dass die Massenproduktion noch nicht läuft, die die Preise senken könnte.
Das US-Konjunkturpaket könnte nun dabei helfen, beide Probleme zu lösen. Zwei Milliarden Dollar an Fördermitteln sollen daraus in die Herstellung fortschrittlicher Batterien fließen. Außerdem erhält der Erbauer 30 Prozent der Kosten seiner Fabrik in Form einer Steuergutschrift zurück – bis zu 2,4 Milliarden Dollar sind dafür vorgesehen. Hinzu kommen 7,5 Milliarden Dollar an Regierungskrediten, die bereits aus einem früheren Gesetz stammen, das die Suche nach neuen Technologien für den Fahrzeugbau fördern soll, wozu auch verbesserte Batterien gehören. Die Arbeitnehmer in diesen Fabriken können außerdem vom Staat bezahlte Bildungsmaßnahmen nutzen – insgesamt 500 Millionen Dollar sind für die Umschulung auf "grüne" Jobs eingestellt. Außerdem sind weitere 16,8 Milliarden Dollar für die Erhöhung der Energieeffizienz und die Förderung erneuerbarer Energien vorgesehen; ein Teil davon dürfte ebenfalls in Batterietechnik fließen.
Zusätzlich sind steuerliche Anreize geplant, die dabei helfen könnten, einen echten Markt für die neuen Akkus zu schaffen. Gutschriften vom Finanzamt in Höhe von bis zu 7500 Dollar erwarten Menschen, die sich Hybrid-Autos mit großen Batterien kaufen, die an der Steckdose geladen werden können; etwas kleinere Fördermittel gibt es für die Umrüstung älterer Fahrzeuge auf die Plug-in-Technik. Weitere 300 Millionen Dollar dürfen Bundesbehörden dazu nutzen, um Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen zu erwerben – darunter auch Hybrid-Autos mit großen Akkus. Und dann wären da noch weitere 400 Millionen für die "Elektrifizierung des Transportwesens" und 4,5 Milliarden Dollar, mit denen das veraltete US-Stromnetz aufgerüstet werden soll – auch hier dürfte ein Teil in die Batterietechnik fließen.
Einige Experten sind allerdings nervös, dass das viele Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilt wird. Das US-Energieministerium wird große Teile des Budgets verwalten und steht unter Druck, es möglichst schnell freizugeben. Die Gefahr, dass es hier zu Fehlentscheidungen kommt, besteht laut Patil von Compact Power durchaus. Sein Unternehmen soll die Batteriepacks für den General Motors-Plug-in-Hybriden Chevrolet Volt liefern, der 2010 endlich auf den Markt kommen wird. Es gebe jedoch diverse Lithium-Ionen-Batteriechemieansätze, die für die automobile Nutzung wenig sinnvoll seien. "Ich hoffe deshalb, dass das Energieministerium dies bei der Verteilung der Gelder berücksichtigt." Robert Kanode, Chef des US-Batterieherstellers Valance Technologies, der derzeit noch in China produzieren lässt, fürchtet ebenfalls, dass Mittel in Bereiche fließen könnten, die auf dem Markt später keine Chance haben
Noch ist unklar, ob die Batteriekosten sich soweit verringern werden, dass sich ein echter Markt für Plug-in-Hybriden bildet. Fortschritte bei der Batterietechnik, die in den USA gemacht wurden, hätten jedoch das Zeug, zur Entwicklung einer neuen Industrie beizutragen, glaubt Ted Miller, Seniormanager für den Bereich Energiestrategie bei der Ford Motor Company, der selbst ein Forschungskonsortium der Großen Drei aus Detroit (Ford, GM, Chrysler) anführt. "Unsere Schwäche liegt nicht im Bereich der Wissenschaft. Wir müssen nur einen Weg finden, die Herstellung anzukurbeln." (bsc)