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Was war. Was wird. Mit lauschigen Rätseln in einer stürmischen Sommernacht

Was sich alles gegen uns wenden kann, beschäftigt Hal Faber natürlich auch. Zudem ist es aber Zeit für den ersten Teil des alljährlichen Sommerrätsels.

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Sommer, Sonne, Wolken
Lesezeit: 10 Min.
Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich. Und bringt dieses Mal, wie aus den Vorjahren gewohnt, aus Anlass des Sommers das zugehörige Sommerrätsel.

Was war.

*** Stell dir vor, es gibt neue Leaks von der NSA und keiner achtet drauf. Offenbar aus dem Fundus der Cablegate-Dokumente stammend, sollte die Zusammenfassung einer Steinmeier-Reise aus dem Jahre 2005 für Aufsehen sorgen. Das Dokument, das sogleich als Überwachungsprotokoll betitelt wurde, präsentiert uns einen "scheinbar erleichterten" Außenminister, wie dies ein Berichterstatter formulierte und einige Telefonnummern. Für Julian Assange von Wikileaks reicht es allemal als Beweis und so erklärte er: "Today's publication indicates that the NSA has been used to help the CIA kidnap and torture with impunity." Diese großspurige Art ist nicht dazu angetan, Empörung zu entfachen, sondern ist genau das, was der empörte Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung so beschreibt: "Wenn Affären Serienprodukte sind, verfällt ihr politischer Kurswert, und es braucht schon große Schweinereien, um noch echte Aufregung auszulösen." Genau die große Schweinerei fehlte in sommerlicher Hitze. Ist es ein Aufreger, dass in den Wikileaks-Dateien Malware steckt? Aber nicht doch, gehn wir schwimmen?

*** "Willfährig blenden wir aus, dass alles, was über uns in den gigantischen, nie vergessenden Datenbanken zu finden ist, eines Tages gegen uns verwendet werden kann", heißt es in der Einführung zum aktuellen Versuch der Kollegen von c't und heise online, weiter Licht in den NSA-Skandal zu bringen. Und uns begreiflich zu machen, warum die Langeweile, die viele angesichts immer neuer und zeitlich arg gestreckter Enthüllungen befällt, allen auf die Füße fallen wird. Hoffen wir, dass es sich nicht als Donquichotterie erweist, deren Windmühlen nicht nur aus den Maßnahmen des tiefen Staats, sondern auch aus der öffentlichen Gleichgültigkeit bestehen.

Frage 1: Welches Buch wird gesucht?

*** Aber wir wollen unterhalten werden. Ja, es ist Sommer und Zeit für das alljährliche Sommerrätsel. Aus besonderem Anlass ist das erste Rätsel der Malerei und der Bildenden Kunst gewidmet, denn Deutschland leistet sich gerade eine seltsame Debatte über die Frage, was denn ein national wertvolles Kulturgut ist und wie selbiges geschützt werden kann vor der Abwanderung ins Ausland. Immerhin ist seit der letzten Woche das höchst umstrittene Zutrittsrecht in Wohnungen aus dem Entwurf gestrichen worden. Es gibt sie noch, die Privatsphäre. Was es noch gibt, sind Computerbücher und das nicht nur im ePub oder Kindle-Format. Mitunter sogar solche, die wertvolle kulturelle Güter zitieren. Diese werden im Sommerrätsel gesucht.

Also gleich zur Frage 1: Welches Buch wird im Bild rechts gesucht?

Um gleich Frage 2 anzuschließen: Der Schrei von Edvard Munch soll zu den bekanntesten Gemälden der Welt gehören. Googles Bildersuche bietet viele Varianten, von Homer Simpson bis Angela Merkel. Eine fehlt. Sie ist auf dem Titel eines Computerbuches zu finden, das erstaunlich endet.

Frage 3: Gesucht wird ein Buch .... und ein Bild.

*** Bücher, viele Bücher, und viele, viele Fahrer in gelben Autos, die Bücher bringen und Fahrradwege zuparken. Der Geburtstag von Amazon führte beim "Buchladen" Amazon zu vielen Bestellungen, bei den Lesern zu einer saukontroversen Debatte. Während Jeff Bezos reich und berühmt ist, ist sein erster Angestellter Shel Kaphan nur reich geworden, doch kaum berühmt. Dabei gehörte er zu denen, die Amazon in der Tradition des Whole Earth Catalogues sahen, als Versender von Ideen und Dingen für ein anderes Leben. "Es war immer unsere Mission, schwer auffindbare Werkzeuge, besonders Informationswerkzeuge an eine weit verstreute Kundschaft zu liefern, die solche Artikel nicht an ihrem Wohnort kaufen kann. Das sollte Amazon fortsetzen." Kaphan verließ die Firma vor der Zeit, als Amazon zum Händler für alles Mögliche wurde und vor dem Platzen der Dotcom-Blase, in der die Träume der Bobos vom guten Leben aufgegeben wurden. Auf soziale Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell achten, das ist lange her.

*** Wobei Kaphan wiederum daran erinnert, dass Jeffs Ehehälfte McKenzie keine Probleme damit hatte, ein Amazon-kritisches Buch mit einer Rezension abzuschießen. Wie war das noch, als niemand anderes als Tony Morrison den ersten Roman ihrer Recherche-Assistenten über den grünen Klee lobte? Heute leben wir in einer Zeit, in der eine enge persönliche Beziehung zu einem Autor oder Künstler von einer Software ermittelt und geahndet wird.

Daraus ergibt sich Frage 3: Gesucht wird links ein Buch .... und ein Bild.

Frage 4: Big Brother ist schwer beschäftigt. Was sehen wir und was sehen wir nicht?

Sowie Frage 4: Big Brother ist schwer beschäftigt. Was sehen wir im Bild rechts und was sehen wir nicht?

*** Die Geschichte mit diesem Cyberwar beginnt kompliziert zu werden. Auf der einen Seite steht das Anliegen von Informatikern und IT-Experten, diese Kriegsführung zu ächten und gegen alle Bestrebungen dieser Art Cyberpeace zu fordern. Auf der anderen Seite steht .... eine Mutter, die liebend gerne bei der Sendung mit der Maus gearbeitet hätte, aber nun, hachja, die Millionen für Beschaffungsprojekte heraushauen muss für ihre Chefin, die Frau im Hosenanzug. Dafür wird sie eines Tages vor ihren Kindern stehen, mit der stummen Subdominanten im Bundeswehr-Getöse. Den dort ist die Einschätzung eines Cyberkriegs eine recht unkonkrete Sache, da "weder rechtlich noch anderweitig klar definiert": Alle reden vom Cyberkrieg, aber keiner definiert ihn. Das ist ganz praktisch:
"Geschwindigkeit und Unvorhersehbarkeit von Cyber-Angriffen können es aktuell sehr schwierig machen, Angreifer und Motive festzustellen. Bewaffnete Konflikte, aber auch Auseinandersetzungen unterhalb dieser Schwelle, insbesondere bei sog. hybridgen Bedrohungen, haben heutzutage oft auch eine Cyber-Komponente."

*** Cyberangriffe sind so verflucht schnell, dass sie vorbei sein können, ehe "Krieg" gerufen und der Angreifer identifiziert werden kann. Und dann gibt es noch hybridge Bedrohungen, eine Art Hyber-Bridge in fremde Netze, etwa in die IT des Bundestages. Wer schützt uns? Ganz klar der BND, der seine Wasserhähne im eigenen Bau nicht kontrollieren kann, aber den Cyberraum dank SSCD mit Kantels Töle.
"Aktuell betreibt der Bundesnachrichtendienst (BND) den Aufbau eines Frühwarnsystems, welches Deutschland erstmals in die Lage versetzen wird, Angriffe auf die deutsche IT-Infrastruktur zu erkennen, bevor diese wirksam werden und Schaden anrichten können. Mit dem als SIGINT Support to Cyber Defence (SSCD) bezeichneten System werden die Voraussetzungen geschaffen, um Cyber-Bedrohungen aktiv vorzubeugen."

Frage 5: Auch hier wird ein Buch und ein Bild gesucht.

*** Solchermaßen beruhigt können wir uns wieder dem Sommerrätsel widmen, denn beim BND ist alles in guten Händen. Selbst der Sonderermittler in Sachen NSA-Selektoren profitiert vom technischen Sachverstand der ihm zugeteilten BND-Mitarbeiter.

Also dann Frage 5: Auch im Bild links wird ein Buch und ein Bild gesucht.

Was uns zu Frage 6 führt: Von Selektoren zermalmt? Michelangelos Pieta inspirierte die Künstliche Intelligenz.

*** Unter den erwähnten Antworten der Bundesregierung findet sich die Auskunft, dass seit dem Jahre 2000 keine Aufträge an die in Italien angesiedelte Firma Hacking Team durch die Bundesregierung und/oder nachgeordneter Dienste vergeben wurden. Hacking Team und sein Super-Spion erhitzten in dieser Woche die Gemüter, weil die Italiener sich bedenkenlos aus dem großen Topf der Open-Source-Software nahmen, was sie brauchten, selbst bei einschränkenden Lizenzen. Ohne jede Bedenken wollte man auch ausgewiesene Militär-Lieferanten versorgen. Ethische Probleme hatte man nicht. Die Nachricht von einem Selbstmord in Südkorea stimmt nachdenklich. Rechtlich darf der Staat alles tun, um nordkoreanische Spione zu entlarven, aber nicht unbescholtene Bürger belauschen. Doch ein Spionage-Vorwurf wurde schneller gefunden als ein herumliegender 150-Euro-Schein. Nachgerade amüsant ist es, wie man bei Hacking Team die Entwicklung von Palantir verfolgte, die damals mit 9 Milliarden Dollar bewertet wurden und heute bei 20 Milliarden liegen sollen. In dieser Preisklasse wollte man spielen und den goldenen Schnitt machen. Das ist jetzt Makulatur.

Immerhin kommen wir damit schon zu Frage 7: Schon wieder Michelangelo? Aber ja doch. Mit diesem Knirps wird ein Buch gesucht oder das Cover zu einem Album einer bekannten Band.

Frage 8 musste sein. (Der Ärger ist vorprogrammiert.) Das Buch?

Frage 8 musste sein. (Der Ärger ist vorprogrammiert.) Das Buch?

Was wird.

In diesen trägen, warmen Sommerzeiten dürfte wohlplätschernd am Baggersee die Nachricht niemanden überraschen, dass sich die wunderbare elektronische Gesundheitskarte und ihre wundersamen Wirkkräfte um ein weiteres Mal verzögern werden. Überraschend ist jedoch, dass die Industrie nicht fertig wird, die für den Test notwendigen Konnektoren zu liefern. Haben nicht Industrievertreter wieder und wieder betont, dass man jederzeit loslegen kann und nur die ewig nörgelnden Ärzte und Zahnärzte die Bremser sind? Die Telekom kann aus dem Stand 1500 Ärzte-Tablets auf iPad-Basis raushauen, hat aber bei 500 Konnektoren Probleme. In der Folge wird der "Großtest" der Gesundheitskarte schrumpfen, ebenso die wissenschaftliche Begleitforschung und wer dann noch "Halt!" rufen will bei diesem Projekt, wird kurzerhand überfahren. Wo bleibt das Positive? Es kommt, es kommt: In der nun anstehenden Woche wird der "eGovernment-Monitor" vorgestellt. Die Einladung spricht von einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Frage 9: Alles Babel oder was?

Das Schnuckelchen muss nicht erraten werden, schließlich waren Ada und ihre Gefährtinnen wie Mina Rees schon vor 10 Jahren in einem Sommerrätsel präsent, das den Frauen in der IT gewidmet war. Trotzdem muss gemeldet werden, dass im Heinz Nixdorf-Museum zu Paderborn eine Ausstellung über Frauen in der Computergeschichte geöffnet wird. Die Auflösung dieser ersten Teils des Sommerrätsels erfolgt wie immer am Montag. Die nächste Folge beschäftigt sich mit Kryptographie und Medienkompetenztests.

Also Frage 9: Alles Babel oder was?

Frage 10: Sexpuppen sollen mit Hilfe der KI noch sexier werden, vielleicht so schlau wie Hedy Lamarr, die das Frequenz-Hopping miterfand. Das Lamarr auch Sexpuppen konstruierte, bauen ließ und testete, ist weniger bekannt. Gesucht wird immer noch ein Buch.

Und zum guten Schluss Frage 10: Sexpuppen sollen mit Hilfe der KI noch sexier werden, vielleicht so schlau wie Hedy Lamarr, die das Frequenz-Hopping miterfand. Das Lamarr auch Sexpuppen konstuierte, bauen ließ und testete, ist weniger bekannt. Gesucht wird immer noch ein Buch.

(jk)