Neuer Bart, neues SUV
Die Tallrounder-Mode bei Motorrädern erweist sich als so konstant wie die der SUV bei Autos. KTM hat in diesem Zuge eine vereinfachte 1190 Adventure mit heruntergebuchstem Motor gebaut, die 1050 Adventure
Wie man sich täuschen kann: Ich war mir sehr sicher, dass in der KTM 1050 Adventure ein alter Bekannter steckt: der 990er-Motor in aufgebohrter Form. Tatsächlich jedoch hat KTM den Motor der 1190 etwas heruntergebuchst in der Bohrung, einen anderen Hub verwendet und Details der Gasdynamik verändert. Im Ergebnis fühlt sich der Motor an wie ein Sohn des nervösen 990ers, nur mit einem E-Gas etwas gebändigt.
Am stärksten fällt das beim Kaltlauf auf. Eine KTM 990 Super Duke kalt fahren verlangte ein Fingerspitzengefühl analog zum Umgang mit einem Türsteher, der sich sichtbar zu viel Testosteron gespritzt hat für diesen Abend. Das E-Gas der 1050er beruhigt die Lage, indem es die Drosselklappen nachzieht, also kleinste Bewegungen des Gasgriffs ignoriert, die es als ungewollt einstuft. Zur North West 200 fuhr ich an den Renntagen viele kleine Strecken mit kaltem Motor und lernte das Verhalten bei kaltem Motor hassen, am meisten im Kreisverkehr: Du drehst vorsichtig am Gas, denn du brauchst etwas stützendes Drehmoment, bittebitte, liebes E-Gas. Diese Bitte wird verweigert. Du drehst weiter am Einstellgriff, bis das E-Gas irgendwann sprunghaft die Drosselklappen nachstellt – genau das, was man in einem irischen nassen Kreisverkehr am wenigsten brauchen kann. Wie früher wird die sehr gut dosierbare Kupplung ein dringend nötiger Freund.
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Warm wird es sehr viel besser. Den 990er fuhren Kenner im unteren Bummelbereich mit an der rechten Hand ausgestreckten Fingern, die den Gasdrehgriff vor allem über unebene Straßen stabilisierten. Das E-Gas der 1050 übernimmt im Ort die Funktion der stabilisierenden Finger früher und glättet im Standardmodus Straße auch sonst viel. Der Nachteil des Systems: Es fühlt sich oft so an, als hänge die Drosselklappe, weil sie eben genau das tut. Im Sport-Modus lässt das klebrige Gefühl nach, aber der Sportmodus zieht die Öffnungskurve nach oben auf, was nur nervt und vor allem im Zusammenhang mit dem (gewünschten) direkteren Ansprechen nichts bringt außer eine schlechte Dosierbarkeit im unteren Bereich. Regenmodi halte ich grundsätzlich für überflüssige Marketingscheiße. Ich kenne keinen, den man (sagen wir: auf Eis) wirklich statt des Standardmodus' einstellen wollen würde.