Wasserabbau down under
Die australische Millionenmetropole Perth könnte in den nächsten Jahrzehnten austrocknen; Umweltschützer befürchten gar, sie müsse aufgegeben werden. Eine Vorschau auf die Auswirkungen des Klimawandels in anderen Regionen der Welt?
Warm und trocken war es in vielen Regionen Australiens schon immer. Doch die mit dem Klimawandel in Verbindung gebrachte Temperaturerhöhung, die sich Forschern zufolge in "Down Under" in den nächsten Jahren noch beschleunigen wird, beginnt, ganze Regionen zu bedrohen. Zu den Kandidaten zählen inzwischen auch erste Großstädte.
Das Extrembeispiel dürfte Perth sein, die viertgrößte Stadt des Kontinents. Die 1,5 Millionen Einwohner zählende Metropole im Bundesstaat Western Australia liegt am Rande einer Wüste und hat bereits heute das trockenste Klima der Erde. Dennoch – oder gerade deshalb – verbraucht man in Perth mehr Wasser als in jeder anderen australischen Stadt.
Der Ort ist wie eine Oase: Palmen und Grünflächen reihen sich aneinander. Der "Kings Park" am Rande des Zentrums mit insgesamt 400 Hektar lockt die Bewohner an, sich im heiß mediterranen Sommer in einem botanischen Garten zu tummeln. Selbst im Winter wird es selten kälter als 15 Grad. Ein großes Glück der Natur sorgte bislang dafür, dass Perth nicht austrocknet: Unter Western Australia sitzt ein gigantisches Wasserreservoir, das die Bewohner anzapfen konnten.
Dass dieses endlich ist, bekam man in Perth nur langsam zu spüren. Doch seit den Siebzigerjahren läuft ein Prozess, den Forscher sich nur mit dem globalen Klimawandel erklären können. Die Winter sind noch milder geworden. Was noch schlimmer ist: Der Regen wird weniger. Konnte man sich früher darauf verlassen, dass dieser das Reservoir in den kalten Monaten auffüllte, hat sich das kühle Nass vom Himmel inzwischen um rund ein Viertel abgeschwächt. Im Sommer wird es hingegen an manchen Tagen über 40 Grad warm.
Neben dem vielen Wasser, das sich die Stadt in gigantischen Mengen aus dem Boden zieht, steigt auch der Energieverbrauch – besonders durch Klimaanlagen. Die Stadt, die sich mit ihren vielen Vororten an der Küste des Indischen Ozeans entlang zieht, gilt aufgrund ihrer schönen Lage weiterhin als sehr attraktiv: In den nächsten zehn Jahren erwartet die Regionalregierung 500.000 Neubürger, was die Region auf 2 Millionen Menschen brächte.
Wie lange die jedoch noch genug Trinkwasser haben werden, ist ungewiss. Durch den ausbleibenden Regen wird das Reservoir nicht weiter aufgefüllt und auch die drei Dämme, die Perth mit Wasser versorgen, zeigen immer seltener das Wasserstandsniveau, das sie einst hatten. 2002 führte eine Gruppe an der University of Western Australia eine Studie durch, wie lange die Vorräte noch reichen würden, sollte der heutige Konsum anhalten. Ergebnis: Bereits 2015 könnten die bestehenden erneuerbaren natürlichen Quellen zur Neige gehen.
Phil Bussemaker, ein an der Studie beteiligter Student, sagte dem australischen Sender ABC, dass ihn vor allem die aktuelle Verschwendung verwundere: "Aus städtischer Sicht landet die Hälfte des Wassers in Perth in unseren Gärten." Laut einem BBC-Bericht wird die Lage noch dadurch verschlimmert, dass 150.000 unlizenzierte Brunnen das Grundwasserreservoir direkt anbohren dürften. Betreiber sind vor allem Privatleute.
Tim Flannery, der bekannteste Umweltschützer Australiens, glaubt inzwischen daran, dass Perth zur ersten "Geisterstadt der modernen Welt" werden könnte, sollte die Metropole ihr Wasserproblem nicht in den Griff bekommen. Die außergewöhnliche Kombination aus Trockenheit und großem Wasserverbrauch macht Perth zum Muster einer Stadt des Westens, die mit dem Klimawandel kämpft. "Was wir hier tun, ist Wasserabbau. Das ist eine Ressource, die sich nicht ersetzen lässt", meint Pierre Horwitz, Dozent für Ökosysteme an der Edith Cowan University in Perth. Ihn erinnere das an Ölquellen.
Zur Aufgabe der Stadt will es die Regionalregierung natĂĽrlich nicht kommen lassen. Sie hat ein Wassersparprogramm aufgelegt und will die Bewohner zum Umdenken bringen. Viel Zeit ist nicht mehr, meinen UmweltschĂĽtzer. Der Klimawandel zeige sich in Perth bereits seit 30 Jahren.
Inzwischen beginnt man in Western Australia, dem Problem mit groĂźem technischen Aufwand zu begegnen: 2006 ging eine groĂźe Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb. Diese wird immerhin unter anderem mit einer Windfarm betrieben, so dass sie den Klimawandel nicht weiter beschleunigt. Bis zu 17 Prozent des Wasserbedarfs soll in Perth bald aus dem indischen Ozean kommen. (bsc)