Smart City oder Smart Citizen: Die Zukunft der Städte auf der Ars Electronica 2015

Die Ars Electronica, die seit 1979 in Linz stattfindet, ist noch immer ist das international wichtigste Festival für digitale Kunst; wichtiges Thema dieses Jahr: die Entwicklung der urbanen Lebensräume. Dazu gehörten auch autonome Autos wie Daimlers F015.

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Hannes Langeders Fahrradi Farfalla FFX

Hannes Langeders Fahrradi Farfalla FFX

(Bild: heise online / Johannes Schacht)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Johannes Schacht
Inhaltsverzeichnis

Der Prix Ars Electronica, die Verleihung der goldenen Nicas an die Gewinner der verschiedenen Kunstkategorien, war zum 29. Mal feierlicher Höhepunkt des Festivals Ars Electronica in Linz, der auch von der österreichischen Politik als Bühne genutzt wurde, um Fortschrittlichkeit und Affinität für Kunst und Technik zu demonstrieren.

Der Trend bei der Auswahl der Preisträger scheint sich vom Digitalen wegzubewegen. Charakteristisch ist der Preis in der Kategorie "Digital Music & Sound Art". Der Japaner Nelo Akamatsu hat für sein Werk "Chijikinkutsu" hunderte mit Wasser gefüllte Gläser an die Wände eines Raums gestellt, in denen jeweils eine magnetisierte Nadel schwimmt. Eine kleine Spule zieht, wenn unter Strom gesetzt, die Nadel zum Glasrand und ein sanftes "Plink" ertönt. Sehr dezent und sehr japanisch, vor allem, wenn sich die Besucher an die Vorgabe halten und ihre Schuhe ausziehen.

Ars Electronica 2015 (4 Bilder)

Der Japaner Nelo Akamatsu hat für sein Werk "Chijikinkutsu" hunderte mit Wasser gefüllte Gläser an die Wände eines Raums gestellt, in denen jeweils eine magnetisierte Nadel schwimmt.
(Bild: heise online / Johannes Schacht)

Konferenz und Ausstellung fanden in diesem Jahr nicht im vornehmen Brucknerhaus statt, die Veranstalter hatten stattdessen das ehemalige Postverteilzentrum am Linzer Hauptbahnhof umfunktioniert. Die Atmosphäre, geprägt durch industrielle Hinterlassenschaften und nackte Wände sowie kahle Böden unterstrich die ausgestellten Exponate entweder durch Kontrast oder durch Stimmigkeit.

Der Themenbereich "Future Mobility" beispielsweise begann mit dem futuristischen Konzeptauto "F 015 Luxury in Motion" von Mercedes-Benz. Für den Informatiker sind hierbei besonders die Exponate zur Kommunikation zwischen Mensch und Roboter interessant. Dazu äußerte sich im Gespräch mit heise online Alexander Mankowsky, der bei Daimler die Zukunftsforschung leitet.

Ganz im Gegensatz dazu Hannes Langeders Fahrradi Farfalla FFX: Aus der Ferne einem Ferrari zum Verwechseln ähnlich, entpuppt es sich beim Näherkommen als zwei von Plastik, Kabelbindern und Klebefolie ummantelte Liegefahrräder. Im begleitenden Video ist zu sehen, wie der "langsamste Sportwagen" der Welt von Polizisten angehalten wird, die sich fragen, gegen welche Vorschrift hier genau verstoßen wird.

Die Konferenz kümmerte sich um die Entwicklung der urbanen Lebensräume in der Zukunft. Wie groß die Herausforderung ist, wurde unter anderem verdeutlicht von Kilian Kleinschmidt, Beauftragter der Vereinten Nationen, in seinem Vortrag über das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien, deren Bewohner er nicht als Flüchtlinge, sondern als Bürger betrachten will, die nach kurzer Zeit mit dem Umbau und der Selbstorganisation des Lagers beginnen.

Die vielen Projektvorstellungen zur Förderung lokaler Strukturen, beispielweise die Einführung von Social Capital Credits erweckten nicht den Eindruck, ein ernsthaftes Gegengewicht bilden zu können. Dass die Konferenzteilnehmer kein Vertrauen in die Hochglanz-Projekte der IT-Industrie zur Infrastruktur setzen, war nicht überraschend. Daniel Offenhuber von der Northeastern University in Boston sagte denn auch plakativ "The 'Smart City' is dead" und glaubt mehr an die Initiativen der Stadtverwaltungen großer Städte als Innovationstreiber.

Carlo Ratti, Leiter des MIT Senseable City Labs stellte seine Big-Data-Analysen vor und machte Hoffnung auf technische Lösungen. Unnötige Autofahrten zu vermeiden könne bis zu 80 Prozent der Fahrzeuge einsparen, ergaben seine Analysen.

Wie viel unnötige Energie in den Transport von Müll gesteckt wird, deckte ein Projekt auf, bei dem 500 Abfallobjekte, von einer Bananenschale bis zum Fernseher, die von Bürgern in Seattle mit mobilen Sendeeinheiten (Trash Tags) ausgestattet wurden. Doch die Erkenntnis allein reiche nicht, betont Ratti. Erst der gesellschaftliche Diskurs könne Verhalten ändern. Darum liege ihm die perfekte audio-visuelle Aufarbeitung der Daten besonders am Herzen.

Siehe dazu den Online-Artikel bei c't zur Zusammenarbeit zwischen der Daimler-Forschungsabteilung fĂĽr Autonome Autos und der Ars Electronica:

Forschungsfahrzeug fĂĽr autonomes Fahren Mercedes F 015 (7 Bilder)

Kommunikation mit Fußgängern

Ein mittlaufender blauer Lichtbalken an der Front signalisiert, dass das autonom fahrende Auto den Fußgänger erkannt hat. Der darf jetzt sicher sein, nicht überfahren zu werden.
(Bild: Mercedes-Benz)

(anw)