Neustarthilfe

Jeder hat mal groß angefangen, könnte man denken angesichts des Vorhabens, Entwicklung, Produktion und Verkauf eines exklusiven Motorrads mit engwinkligem V-Motor aus dem Stand zu stemmen. Sein Name: Horex. Nach dem vorhersehbaren Scheitern des Projekts versucht es nun ein Kohlefaserspezialist

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
Horex – zum Dritten
Lesezeit: 9 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis

Frankfurt am Main/Landsberg am Lech, 28. September 2015 – Jeder hat mal groß angefangen, könnte man denken angesichts des Vorhabens, Entwicklung, Produktion und Verkauf eines exklusiven Motorrads mit engwinkligem V-Motor aus dem Stand zu stemmen. Sein Name: Horex. Nach dem vorhersehbaren Scheitern des ehrgeizigen Projekts versucht es nun ein Kohlefaserspezialist.

Obwohl sich die 1923 gegründete Marke bis zur Mitte des letzten Jahrhundert durchaus erfolgreich am Markt behauptete, war sie lange Zeit nur noch Oldtimer-Liebhabern und Fans der „Werner“-Comics (Werner kachelt mit einem Chopper auf Horex-Basis durch die Lande) ein Begriff. Das erste Mal hat Horex 1956 Pleite gemacht, danach gingen die Namensrechte durch diverse Hände, ohne dass Motorräder in nennenswerter Stückzahl entstanden wären. Unter anderem hat Friedel Münch, der Schöpfer der legendären Münch Mammut, ein Monster namens Horex 1400 TI in Einzelanfertigung geschaffen, das aus 1,4 Litern Hubraum mittels Turbolader 143 PS stemmte und Tempo 250 packte, 1978 war das eine Bodenrakete. Ganze drei Stück entstanden.

Neustarthilfe (15 Bilder)

Kaum zu glauben, was aus der eher biederen VR6 unter neuer dem neuen Besitzer 3C-Carbon Group alles werden kann, im Bild die Silver Edition.

Ein Vierteljahrhundert später kam Clemens Neese und wollte alles besser machen. Der motorradbegeisterte Manager aus der IT-Branche und studierter Maschinenbauer hatte die Vision von einem Bike mit einem Sechszylinder in VR-Form und einem engen Zylinderwinkel, nach dem Vorbild von Lancia, wo man solche Motoren unter Patentschutz von 1915 bis 1975 baute und des (bekannteren) Volkswagen-Aggregats mit 15 Grad Zylinderwinkel. Neeses VR hat allerdings drei Ventile pro Zylinder, dafür drei oben liegende Nockenwellen. Ab 2004 tüftelte er zusammen mit der TU München an dem Antrieb. Für die Serienfertigung wollte Neese einen klangvollen Namen und entschied sich, die Rechte an Horex zu kaufen. Der Start der neu gegründeten Horex GmbH verlief holprig, 2010 wurde das Modell VR6 präsentiert, doch der Erstverkaufstermin mehrfach verschoben. Der Motor lief nicht, wie er sollte. Erst Anfang 2013 gelangte die Horex VR6 endlich in den Verkauf. Doch beging Neese einen großen Fehler. Ein Motorradmodell verkauft sich heute nur noch erfolgreich, wenn es wenigstens eine der drei Kriterien erfüllt: günstiger Preis, viel Leistung, attraktives Design. Hohe Leistung ist natürlich nicht billig zu haben, schon gar nicht bei einem Kleinserien-Motor. Für einen teuren Preis erwartet der Kunde dann aber auch eine ansprechende Optik des Modells.

Für die Version „VR6 Roadster“ mit 160 PS aus 1218 Kubikzentimeter Hubraum verlangte Horex happige 21.700 Euro, für die „Classic“ sogar 24.500 Euro, dabei hatte sie wegen einer geänderten Motorsoftware nur noch 126 PS. Was bekam der Käufer für die horrenden Preise?