Dasselbe in weiß

Nach einem tollen Showbike baute KTM unter der unlängst hinzugekauften Marke Husqvarna jetzt ein immer noch ganz schönes Serienmotorrad. Welche Zielgruppe sie erschließen wollen, bleibt aber unklar

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"Dasselbe in grün", diese Redewendung für Dinge, die bis auf eine Äußerlichkeit praktisch gleich sind, stammt für uns Autoleute aus den Zwanzigerjahren des Fahrzeugbaus. Damals baute Opel einen Wagen namens "Laubfrosch", der eine dreiste Kopie des Citroën Typ C (5CV) war. Deutsche Gerichte entschieden im Rechtestreit gegen die Franzosen, denn der Laubfrosch hatte doch einen anderen Kühlergrill und überhaupt: Er war grün. Wer das wusste, war auch zurückhaltender in der Kritik, als diese Phase des Autonachbaus in China ihren Höhepunkt erreichte. Jetzt gibt es ein rechtlich unbedenkliches Beispiel, das dennoch eine Diskussion wert ist: die Husqvarna 701.

Im Vorfeld diskutierten die Foren, ob das eine KTM 690 Enduro R sei, beziehungsweise in der Supermoto-Variante eine 690 SMC R, nur in weiß. Schließlich hat KTM Husqvarna gekauft und fertigt alle 690er-Modelle in Mattighofen, Österreich. Zu diesem Thema herrscht recht betretenes Schweigen in der Kommunikation der erweiterten Pressestellen in den KFZ-Publikationen – wahrscheinlich aus Gründen der Faktenlage beziehungsweise dem Marketing-optimalen Umgang mit derselben. Denn die neue Husky ist wirklich praktisch dasselbe wie die KTMs in weiß. Sogar die Powerparts passen.

Dasselbe in weiß (8 Bilder)

Die Husqvarna 701 Supermoto, das große, schöne Fragezeichen. (Bild: Husqvarna)

Gehen wir die kleinen Unterschiede durch. Das Design: wirklich schön. Das Designbüro Kiska hat hier für KTM wieder einmal ein paar Linien gezeichnet, die ohne rückwärtsgewandten Retrowahn ganz anders sind als der Mainstream. Dann gibt es einen anderen Tacho. Ich hätte es schön gefunden, wenn KTM unter der Marke Husqvarna einen modernen Tacho anbietet, vielleicht sogar farbig. Und bunt. Stattdessen wird der eher einfache Tacho der KTMs durch einen noch einfacheren ohne Drehzahlmesser ersetzt. Mm. Vielleicht ist er wenigstens wasserdicht, dann gäbe es einen Vorteil zu den KTMs.

Dann gibt es eine andere Gabel (WP 4CS), die mehr Geld kostet. Sie ist auch der Grund, dass die 701 300 Euro mehr kostet als die entsprechende KTM. Die Kollegen fuhren sie auf der Präsentation. Es fuhr gut. Es hat sich allerdings auch noch niemand darüber beschwert, dass die Gabeln von Enduro oder SMC mehr Reserven bräuchten. Der Rahmen ist nur fast gleich, es gibt zwei anders verschweißte Streben im Gitterrohrgeflecht. Ich hege die vage Hoffnung, dass es damit mehr Lenkeinschlag gibt, aber diese Hoffnung habe ich hier im zweiten Halbsatz schon wieder aufgegeben. Die Auspuffendkappe ist anders.