Vor VW-Aufsichtsratssitzung: US-Behörde droht mit "drakonischen" Strafen

Am Freitag kommt erneut der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg zusammen. Die öffentliche Aufklärung des weltweiten Abgas-Skandals läuft unterdessen noch immer nur scheibchenweise. In den USA sparen Umweltbehörden deshalb nicht mit Drohungen.

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Vor VW-Aufsichtsratssitzung: US-Behörde droht mit «drakonischen» Strafen

(Bild: Volkswagen)

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  • dpa
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Auf der nächsten Sitzung wird der VW-Aufsichtsrats über Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal beraten. Nach dem Willen der US-Umweltbehörde CARB sollte Volkswagen einen Plan zur Beseitigung der Abgas-Manipulationen beschließen. Anderenfalls drohen "drakonische Strafen" bis hin zu Fahrverboten, ließ die US-Behörde vernehmen. Angesichts der immensen Kosten wird erwartet, dass es bei der Investitionsplanung des Autokonzerns für die kommenden Jahre Kürzungen gibt. Darüber beraten die Kontrolleure. Nach wie vor herrscht keine Klarheit, wann genau die Führungsspitze des Konzerns von den Manipulationen wusste.

Der Abgas-Skandal bei VW

VW hatte angekündigt, angesichts der hohen Kosten für den Skandal, Investitionen zu kürzen. Ob die Kontrolleure über einen Nachfolger des scheidenden Personalvorstandes Horst Neumann beraten, war zunächst noch unklar.

Ein VW-Sprecher wies am Donnerstag einen Bericht zurück, nach dem VW die Gläserne Manufaktur in Dresden schließen wolle. Dort wird die Luxuslimousine Phaeton montiert. Im Zuge der Neuausrichtung des Phaeton zu einem vollelektrischen Fahrzeug würden derzeit verschiedene Szenarien für die Gläserne Manufaktur entwickelt, sagte er. "Die Gläserne Manufaktur ist fester Bestandteil dieser geplanten Neuausrichtung." Die Wirtschaftswoche hatte berichtet, Konzernchef Matthias Müller wolle das Werk in Dresden 2016 schließen.

Zur Nachbesserung der manipulierten Dieselmotoren mit 1,6-Liter Hubraum muss Volkswagen darüber hinaus möglicherweise deutlich weniger Geld einplanen als zunächst befürchtet. Einem weiteren Bericht der Wirtschaftswoche zufolge können die Schadstoffemissionen durch ein Software-Update sowie den Einbau eines etwa zehn Euro teuren Sensors im Luftfilter behoben werden. Die Lösung werde derzeit vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) auf Tauglichkeit überprüft.

Seitens des Konzerns wollte man den Bericht am Donnerstag nicht bestätigen: "Die Gespräche zwischen Volkswagen und dem KBA laufen noch", sagte ein VW-Sprecher. Erst danach werde eine Aussage getroffen. "Grundsätzlich steht für uns fest: Wir wollen die für den Kunden beste Lösung finden und diese dann entsprechend umsetzen."

In den USA haben bisher 120.000 VW-Kunden, deren Dieselfahrzeuge von der Affäre um gefälschte Abgaswerte betroffen sind, Gutscheine im Wert von bis zu 1000 US-Dollar erhalten. Darunter eine Kreditkarte im Wert von 500 Dollar und ein 500-Dollar-Gutschein für Reparaturen in einer VW-Werkstatt sowie drei Jahre gratis Pannenhilfe. Die Annahme des Gutscheins bedeutet laut VW keinen Verzicht auf Klagerecht.

Die kalifornische Umweltbehörde CARB hielt derweil kurz vor Ablauf eines Ultimatums den Druck auf VW aufrecht. "Wenn sie keinen Plan vorlegen, der für uns und die EPA akzeptabel ist, dann stehen uns Strafen zur Verfügung – es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline", sagte CARB-Chefin Mary Nichols bei der Los Angeles Auto Show. Sollte sich VW nicht an die Vereinbarungen halten, gäbe es die Möglichkeit, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen. Bei der jährlichen Erneuerung der Registrierung würde dann die Fahrerlaubnis verweigert. "Dies sind drakonische Strafen, und es ist überflüssig zu sagen, dass wir nicht hoffen, sie verhängen zu müssen." Doch die exzessive Luftverpestung durch die Fahrzeuge müsse gestoppt werden.

Bis Freitag muss VW den US-Regulierern Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen unterbreiten, in denen die Manipulations-Software installiert wurde. Die Behörden haben dann 20 Geschäftstage Zeit, den Plan zu prüfen. VW-USA-Chef Michael Horn bestätigte, dass Vertreter seines Konzerns am Freitag mit den US-Behörden EPA und CARB sprechen werden. ()