Das nicht ganz so traurige Ende von Yapital
Ist das Zahlen per QR-Code eine Sackgasse?
Ist das Zahlen per QR-Code eine Sackgasse?
Während die Geldkarte zumindest noch zuckt, ist ein anderes Zahlsystem nun endgültig dahingeschieden: Die Otto-Gruppe macht Yapital dicht. Es basiert auf einer App, die QR-Codes abfotografiert und daraufhin eine Zahlung per Kreditkarte oder Bankeinzug veranlasst. Als ich das System Anfang des Jahres ausprobiert habe, funktionierte es nach einer etwas umständlichen Anmeldung einfach und reibungslos – zumindest bei der Otto-Tochter SportScheck. (Ein Kollege vom Handelsblatt hat da allerdings andere Erfahrungen gemacht.)
Doch die funktionierende Technik allein reichte nicht. Zwar gab es zuletzt dank Ketten wie Otto, Douglas, SportScheck, Rewe und Total immerhin 8.000 Akzeptanzstellen in Deutschland. Doch nur rund 100.000 Kunden haben sich angemeldet. Warum wohl?
Mir kam das System vor wie eine Rube-Goldberg-Maschine: Der kompliziertest mögliche Apparat wird in Bewegung gesetzt, um ein Problem zu lösen, das sich auch mit ein paar Münzen oder herkömmliche Kredit- oder Debitkarten erledigen ließe. Handy entsperren, die App starten, QR-Code abfotografieren, Bestätigung abwarten – das alles dauert, auch wenn es sauber funktioniert, immer noch länger, als einfach einen Geldschein über die Theke zu schieben. Da hilft es auch nicht, dass es ein paar nette Features gibt wie das direkte Überweisen von Nutzer zu Nutzer oder eine Übersicht über die Käufe. Oder dass es – anders als etwa NFC – sowohl im Laden als auch beim Online-Einkauf funktioniert.
Der Handel hoffte natürlich, mit Smartphone-Zahlverfahren seine Rabattsysteme näher an die Geldbörse des Kunden zu rücken. Für mich wäre das eher ein Grund, entsprechenden Apps Handyverbot zu erteilen. Interessant fände ich Yapital vor allem dann, wenn ich mich nicht bei jedem Webshop neu anmelden müsste. Aber das funktionierte ja nicht einmal bei der Konzernmutter Otto. Um bei otto.de einzukaufen, musste ich mich dort noch einmal anmelden. Dabei hatte Yapital doch längst alle meine Daten.
Möglicherweise ist die Zahlung mit QR-Codes ohnehin eine Sackgasse. Selbst Platzhirsch PayPal hat mit seinem QRShopping nicht wirklich die Branche aufgemischt: Derzeit nehmen deutschlandweit nur rund hundert Läden teil. Geradezu skurril ist die Lage bei PaySmart der Post: Das Zahlungssystem lief jahrelang als Pilotprojekt im Köln-Bonner Raum. Mittlerweile ist es offenbar im Regelbetrieb, aber weiterhin nur in Köln und Bonn. Nirgendwo auf der Webseite steht, wie viele Händler es akzeptieren. Mein educated guess: Allzu viele werden es wohl nicht sein. Nicht einmal die Post selbst plant, das System bei den eigenen Briefmarkenautomaten einzusetzen. (grh)