Es geht

Ducati zeigt mit der Auspuff-Konstruktion für Euro 4 an der 959, dass sie nicht bereit waren für die neuen Regeln. Für 2017 will man sich "etwas einfallen lassen". Dass Euro 4 nicht schlimm sein muss, zeigt KTM

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Ducati hat es wieder getan: einen Auspuff gebaut, für den es keine exaktere Transkribierung ins Wörtliche gibt als: "Da habt ihr euren Scheißauspuff, und leckt uns sonstwo!" Ich schreibe natürlich von der neuen Ducati Panigale 959, die erste Ducati, die heißt wie ein Porsche, aber viel weniger interessant ist als Porsches einstmalige Zeitmaschine in die Zukunft des Fahrens. Die 959 ist kein Glanzstück der Firma, und der Auspuff ist der Fruchtkörper des Pilzgeflechts an Gründen dafür.

Ducati hat vor einigen Jahren schon einmal dasselbe in Japan getan. Dort schafften sie es auch nicht, die geltenden Gesetze mit ihrem superlauten Unterflur-Hodensackauspuff der 1199 Panigale einzuhalten. Sie hielten es aber auch für unter ihrer Würde, sich anzustrengen für ein Gesetz, das sie nicht einsahen. Also bauten sie einen zusätzlichen Schornstein direkt an den vormaligen Endschalldämpfer. Es wurde das hässlichste, uninspirierteste Ofenrohr, das je ein Motorrad verunstaltet hat und ja: Wir wollen hier Gnade vor Recht ergehen lassen und die Suzuki Gladius den Krafträdern zurechnen. Das Resultat war wie die Mona Lisa, der jemand einen Schnurrbart mit Edding aufgemalt hätte. Es brachte jeden Kulturfreund, jeden Ästheten zum Weinen, und wir waren uns nur in einem sicher: Wenigstens würde so etwas in Ducatis Heimatmarkt Europa niemals passieren können. Bis es jetzt eben passiert ist.

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Ofenrohr im Heimatmarkt Italien. Ducati hat wohl nicht damit gerechnet, dass es für Euro 4 wirklich eine Hausaufgabenkontrolle geben würde. (Bild: Ducati)

Über das schlimme Schicksal der japanischen Ducati-Freunde konnten wir noch lästern, denn es betraf uns ja erstens nicht und zweitens ging es in Japan um eher geringe Stückzahlen der Panigale. Da war ein Auspuff wie ein Mittelfinger gen Gesetzgeber und Kunden noch irgendwie verständlich bis lustig. Aber wie konnte es passieren, dass die 959 Panigale vom Hof des Werks Bologna mit diesem Geschwür fahren muss, obwohl ihr anderswo auf der Welt noch der Hodensack als Auspuff reicht? Ich habe eine Theorie.

Disclaimer: Alle Motorschreiberkollegen, denen ich diese Theorie erzählte, stimmen mir NICHT zu. Es kann also durchaus sein, dass sie recht haben, aber ich gehe weiterhin wahrscheinlich wahnhaft davon aus, dass alle Anderen unrecht haben. Also, zum Ofenrohr: Ducati hat immer extrem auf Lautstärke und Motorlauf optimiert, bis sich die Regelbalken bogen. Ich glaube sogar, Ducati war es bisher gewohnt, ein regelkonformes Motorrad zur (ja branchenüblich eigenen) Zulassungsmessung zu schieben und dann etwas ganz anderes zu verkaufen, denn sie wussten ja wie ihre heutige Konzernmutter Volkswagen, dass die Behörden sowieso nie richtig nachmessen. Erinnern wir uns an die 1098 unter Euro 3. Da ich dazu jedoch keine eigenen Messungen habe, sondern nur die Messaussagen Dritter, muss das als ungeprüfte Hypothese gelten.

Auf jeden Fall dürfte jedem Ducati-Kenner klar sein, dass Bologna-Lautstärken nicht zufällig passieren. Da steckt ein System dahinter. Wie eine Ducati Streetfighter 1098 egal welche Lautstärkezulassung erreicht hat, kann wohl niemand erklären, der Mauschelei aus seinem Phasenraum möglicher Erklärungen verbannt. Ditto 1199 Panigale. Ein Kollege stand damit in einem Stau in einem Tunnel, nach einem langen Tag. Er wäre am liebsten abgestiegen und zu Fuß gegangen, so hat ihn das Rennmotorrad-artige Geräuschbild genervt. Es gab auch verhältnismäßig leise Ducatis (848 fällt mir ein), aber die Top-Motorisierungen wurden für die Kundschaft immer auf Krawall gebürstet.