Nachwachsende Rohstoffe

Ein Auto, beinahe komplett aus Holz gefertigt – der Splinter. Wie so oft kommt die Inspiration für eine so innovative Idee aus der Rüstung

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Von
  • Bernd Kichhahn

Als die dunkelsten Jahre Europas begannen, stürzten sich die Briten 1938 wie keine andere Nation in den Flugzeugbau. Eines der Ergebnisse war der „de Havilland Mosquito“. Zwei Rolls-Royce-Motoren garantierten extrem hohe Geschwindigkeiten, jedoch waren Metalle damals knapp, weswegen man sich für den nachwachsenden Rohstoff Holz entschied. Eine Panzerung, so hofften die Entwickler, sei nicht notwendig. Das Flugzeug würde den Feinden durch seine Höchstgeschwindigkeit entkommen. Die sportlich denkenden Briten sollten Recht behalten.

75 Jahre nach den ersten Einsätzen des Flugzeugs hat die Firma Joe Harmond Design (North Carolina) diese Bauweise in den Automobilbau übernommen. Das Ergebnis heißt sachgerecht „Splinter“. Ein Auto, das beinahe vollständig aus Holz besteht. Lediglich Motor, Reifen, Getriebe und Sicherheitsgurte wurden konventionell gefertigt.

Nachwachsende Rohstoffe (7 Bilder)

Das Ergebnis sieht nach Windkanalarbeit aus. Rost braucht man wohl weniger zu fürchten als Fäulnis, Holzwürmer oder gar Baumpilze.
(Bild: Joe Harmond Design (alle))

Die Karosserie besteht aus Balsaholz, um Gewicht zu sparen. Für die Oberflächen im Innenraum hat Joe Harmond Kirschholz verwendet, um eine edle Haptik zu schaffen. Ledersitze? Fehlanzeige. Der Fahrer sitzt auf Holz. Das könnte allerdings schmerzhaft werden, denn theoretisch hat der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern – einem 7,0 Liter V8 aus dem Hause Chevrolet mit manueller 6-Gang-Schaltung und einem Leergewicht von rund 1,1 Tonnen sei Dank.

Das alles ist zumindest die Theorie. In der Praxis wurde der Wagen bisher nur in Schrittgeschwindigkeit bewegt. Einen Preis gibt es für das Unikat nicht. Etwas Orientierung bietet aber die Entwicklungszeit von etwa 15.000 Arbeitsstunden. (fpi)