Die kleine Scout
Die im vergangenen Jahr vorgestellte Indian Scout hat mit ihrem 1133-Kubik-Vau als Einstiegsmotorisierung dem wiedergeborenen Traditionshersteller Indian den Weg auf die europäischen Märkte gebahnt. Mit der jetzt vorgestellten Scout 60 als günstigsten Einstieg in die Indian-Welt setzt die Firma diesen Weg fort
- Dirk Bertram
- Mirko Dölle
Las Vegas (USA), 22. Dezember 2015 – Die im vergangenen Jahr vorgestellte Indian Scout hat mit ihrem 1133-Kubik-Vau als Einstiegsmotorisierung dem wiedergeborenen Traditionshersteller Indian den Weg auf die europäischen Märkte gebahnt. Mit der jetzt vorgestellten Scout 60 setzt die Firma diesen Weg fort. Mit einem Hubraum von 999 ccm – oder 60 cubic inches, was den Beinamen erklärt – ist sie zwar nicht gerade ein Starter-Bike, und auch der Preis von 11.990 Euro ist kein Mitnahme-Schnäppchen. Dennoch ist sie der günstigste Einstieg in die Indian-Welt.
Die sichtbaren Unterschiede zur „großen“ Scout sind allenfalls kosmetischer Natur, neu ist eine weiße Lackierung. Die Scout Sixty hat weniger Chrom an Motordeckeln und dem Rundscheinwerfer. Weitere Sparmaßnahmen betreffen den Einzelsitz mit Vinyl- statt Lederbezug und einfachere Räder. Doch fallen diese nicht so negativ auf wie die unschön unterhalb des Scheinwerfers im Blick liegende Verkabelung.
Die kleine Scout (6 Bilder)

Niedriger Schwerpunkt
Bei unverändert erdnaher Sitzhöhe von 64,3 Zentimetern macht die Scout schon beim Aufsitzen einen prima kontrollierbaren Eindruck. Ihre 256 Kilogramm Lebendgewicht machen sich dank des niedrigen Gesamtschwerpunkts nicht unangenehm bemerkbar, und die breite, gekröpfte Lenkstange vermittelt zusätzlich ein Gefühl guter Beherrschbarkeit.
Den Hauptunterschied macht der Motor mit kleinerem Hubraum aus. Die übrigen Motor-Komponenten inklusive des Zylinderkopfes blieben unverändert, von ehemals 100 PS bleiben so noch 78 bei 7800/min übrig. Als Anpassung an die geänderte Leistungsabgabe hat der Newcomer ein Fünf- statt Sechsgang-Getriebe. Gemessen an Cruiser-Standards hat der 60-Grad-Vaumotor einiges zu bieten, so rollt die Sixty aus dem Stand mühelos voran, fühlt sich bei niedrigen Drehzahlen sanft an, um angenehm linear zu beschleunigen bei gut kontrollierbarer Leistungsabgabe.
Im Verkehr schwimmt die Indian jedenfalls locker mit, auch das Cruisingtempo von 120 km/h auf dem Freeway, ablesbar auf dem kleinen, einzelnen Rundinstrument, ist noch angenehm. Beim weiteren Gasgeben bis zur Nenndrehzahl von 7300 Umdrehungen pro Minute schleichen sich jedoch Vibrationen über Sitz und Rasten zum Fahrer hin. Natürlich kann der kleine Scout-Motor der größeren Version vor allem in der Leistung nicht folgen, und wirkt ab 160 km/h vergleichsweise atemlos. Doch angesichts der aufrechten Sitzhaltung auf dem Krad dürfte die Frage nach der Höchstgeschwindigkeit auf der Indian nur eine untergeordnete Rolle spielen.