Meisterkraft

Beim Grand Prix in Zandvoort 1967 gewann Jim Clark mit dem nachmalig erfolgreichste Formel-1-Saugmotor aller Zeiten. Bis 1983 kamen noch 154 Siege dazu

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Kalendertür 22 – Ford-Cosworth Motor
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Von
  • Christian Lorenz

1958 gründeten die beiden ehemaligen Lotus-Ingenieure Michael Costin und Keith Duckworth in der mittelenglischen Industriestadt Northampton die kleine Firma Cosworth Ltd. Sie war auf leistungsteigernde Komponenten für den sogenannten „Kent“-Motor des Ford Anglia 105E (ja, den, mit dem Harry Potter in der Baumkrone landete) spezialisiert und machte sich damit in der englischen Tuning und Clubsport-Szene in kürzester Zeit einen klangvollen Namen.

Der Geniestreich gelang Costin und Duckworth aber 1966 mit einem Formel-1-Motor, den ihr früherer Chef Colin Chapman bei Ihnen bestellte. Der Double-Four-Valve-Motor (doppelter Vierventiler, DFV), wie ihn seine Schöpfer nannten, ist mit 155 Siegen zwischen 1967 und 1983 der erfolgreichste Formel-1-Saugmotor aller Zeiten. Er wurde aufgrund der 3-Liter-Regelung von 1966 entwickelt und beim niederländischen Grand Prix in Zandvoort 1967 erstmals eingesetzt. Er gewann dort gleich sein erstes Rennen mit Jim Clark am Steuer.

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Der Ford-Cosworth DFV-3,0-Liter-V8-Motor wurde aus zwei 16V-Vierzylindern entwickelt. Daher der Name Double Four-Valve (DFV): doppelter Vierventiler.

(Bild: National Motor Museum, Beaulieu)

Costin und Duckworth leiteten den DFV aus zwei Zylinderblöcken und -köpfen des 1966 für die Formel 2 entwickelten 4-Zylinder-16V-Motor ab, die auf ein neu entwickeltes Kurbelgehäuse montiert wurden, so dass ein V8 entstand (daher „doppelter Vierventilmotor“). Dieser Motor war der erste in der Formel 1 eingesetzte Motor, der voll tragend in das Chassis integriert wurde und, als Antriebsstrang mit ZF-, Hewland- oder Colotti-Getrieben kombiniert, die Hinterradaufhängung aufnahm. Damit war der Lotus 49 der erste Vertreter dieser heute noch aktuellen Bauweise.

In den frühen 1970er-Jahren fuhren fast alle Teams mit einem Cosworth-Motor. Eigentlich vertraute nur noch Ferrari auf Eigenkonstruktionen. Erst als Anfang der 1980er-Jahre die Turbomotoren das Feld aufpflügten, war die große Zeit des Ford-Cosworth vorbei. Die Turbos wurden nach 1988 aber wieder verboten. Ford-Cosworth entwickelte jetzt neue Formel-1-Motoren und gewann zwischen 1989 und 1993 weitere elf Große Preise. 1994 wurde Michael Schumacher auf einem Benetton mit einem neu entwickelten Cosworth Zetec V8 F1-Motor zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister. (fpi)