Befreiungsbewegung
Qoros schafft auf der Beijing Motorshow (27. April bis 4. Mai) einen kleinen Marketing-Coup und stellt einen Motor mit einem neuen Ventiltrieb vor. Mit diesem rührt Qoros an einem wiederkehrenden, höchst interessanten Traum aller Motorenkonstrukteure. Wie, versuchen wir kurz zusammenzufassen
München/Peking, 28. April 2016 – Die junge chinesische Automarke Qoros kommt mit ihren europäischen Managern – viele davon gestandene Auto-Leute – einfach nicht aus den Startlöchern: Nachdem er vor einem guten Jahr den von VW eingekauften Volker Steinwascher abgelöst hat, warf vor Kurzem der Ex-GM-Mann Phil Murtaugh hin. Ob Qoros nach weiteren Rochaden den dringend nötigen Durchbruch schaffen kann, ist zweifelhaft. Ganz so schnell gibt die Firma aber nicht auf und schafft auf der auf der Beijing Motorshow (27. April bis 4. Mai) einen kleinen Marketing-Coup, indem sie einen Motor mit einem neuen Ventiltrieb vorstellt. Mit diesem rührt Qoros an einem wiederkehrenden, höchst interessanten Traum aller Motorenkonstrukteure. Wie, versuchen wir kurz zusammenzufassen.
Qoros ließ öffentlichkeitswirksam die schwedische Firma Free Valve einen ihrer Motoren mit einem Zylinderkopf ausrüsten, in dem pneumatisch-elektrohydraulische Aktuatoren die Ventile bewegen. Free Valve arbeitet seit der Jahrtausendwende an einer Befreiung der Ventilsteuerzeiten von allen Beschränkungen der mechanischen Betätigung. Ein großes Rad, das die kleine Firma da dreht. Bisher üblich ist eine Steuerung über eine Nockenwelle ohne oder nur mit beschränkten Freiheitsgraden bei den Steuerzeiten und dem Öffnungshub.
Befreiungsbewegung (7 Bilder)

(Bild: Free Valve )
Bei Free Valve hingegen wird jeder einzelne Ventilschaft pneumatisch von einem Kolben bewegt, der in einem Zylinder gleitet. Bisher scheiterten solche Konzepte besonders bei hohen Drehzahlen an der Elastizität der Luft und davon ausgelösten Druckschwankungen im System. Nicht verwechseln darf man diese Steuerung mit dem Ersatz der Ventilfedern durch komprimierte Luft gerade für die hohen Drehzahlen in Formel 1 - Motoren seit den 1980er Jahren: Hier öffnet bis heute eine konventionelle Nockenwelle die Ventile.
Mit Luft, Stahl und Öl
Ein Ansatz von Bosch und AVL namens EHVS versuchte eine nockenwellenfreie, rein hydraulische Steuerung mit 50 bis 200 bar Betriebsdruck und Schaltventilen. Sie ging um 2005 angeblich nicht in Serie, weil der Entwicklungsaufwand für die Anpassung bei den Motoren der OEMs zu hoch gewesen sei. Vielleicht machte sie aber auch nur der teure Aufwand für schwankende Ölviskosität und hohe Drehzahlen unprofitabel in der Produktion. Im Aktuator von Free Valve arbeitet nun eine Kombination: zusätzlich zur Druckluft werden ein Hydraulikkreislauf sowie eine Hilfsfeder eingesetzt. Mit Aktuatoren der mittlerweile sechsten Generation will man die Probleme überwunden haben. Damit würden sie einen Traum aller Motorenkonstrukteure erfüllen: Ventile, die sich einzeln in Öffnungshub und -phase steuern lassen.