Zeichen von Stärke
VW stellt am Wörthersee den Golf GTO Clubsport S mit 310 PS vor. Der stärkste GTI aller Zeiten ist auch der Schnellste, aber mit seinem Frontantrieb kein neuer Sprintstar. Begehrt sein wird er vermutlich trotzdem schon deshalb, weil er limitiert ist
Wörthersee, 4. Mai 2016 – Die Grenzen für das, was als schnell empfunden wird, verschieben sich in rasantem Tempo, der Golf GTI ist dafür nur ein Beispiel. Im ersten GTI reichten die Eckdaten von 110 PS, 9,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 193 km/h Spitze für Furore. Vor zehn Jahren mussten es schon 230 PS sein, heute leistet der stärkste GTI 310 PS. Der ist auf 400 Exemplare limitiert und wurde Golf GTI Clubsport S getauft.
Bekannte Basis
Als Basis für die Maschine dient der Zweiliter-Vierzylinder, der intern als EA888 in dritter Generation bezeichnet. Er wird auch in den beiden normalen GTI-Modellen und im Golf R verwendet. Die zusätzliche Leistung des Golf GTI Clubsport S hat VW eigenen Angaben zufolge im wesentlich mit einer neuen Auspuffanlage und einer Anpassung des Steuergerätes erreicht. Letzteres bedeutet wahrscheinlich, dass schlicht und ergreifend der Ladedruck etwas erhöht wurde. Zusätzlich gibt es eine Kraftstoffpumpe mit erhöhter Förderleistung. Die Steuerzeiten sind auf Ein- und Auslassseite variabel.
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Ein Doppelkupplungsgetriebe ist nicht vorgesehen, aus GewichtsgrĂĽnden, wie Volkswagen mitteilt. Genau aus diesem Grund gibt es auch keine RĂĽckbank. Inklusive einem 75-kg-Fahrer soll der GTI so auf ein Leergewicht von 1360 Kilogramm kommen. Unter Strich will VW gegenĂĽber einem vergleichbar ausgestatteten Golf GTI etwa 30 Kilogramm eingespart haben.
Schnelle Gegner
Die Maschine leistet 310 PS und bietet 380 Nm, die zwischen 1700 und 5300/min anliegen. Das sollte für flinke Fahrleistungen reichen, was auch so ist. Das Werk verspricht 5,8 Sekunden im Standardsprint und eine Spitze von 265 km/h. Als Vergleich haben wir mal zwei ähnlich potente Gegner herangezogen: Der Golf R mit Allradantrieb schafft „nur“ 250 km/h, unterbietet den GTI Clubsport S aber im Sprint von 0 auf 100 km/h um 0,7 Sekunden. Der BMW M135i mit Hinterradantrieb und 326 PS wird bei 250 km/h eingebremst, beschleunigt aber laut Hersteller in minimal 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.
Beide spielen also ihren Traktionsvorteil gegenüber dem GTI-Sondermodell aus. VW hat dabei durchaus vorgesorgt: Semi-Slicks und ein mechanisches Sperrdifferential, dass mit der Traktionskontrolle zusammenarbeitet, sollen für ausreichende Haftung der Vorderräder sorgen. Härtere Aggregatelagerung, eine neue Pendelstütze sowie ein verstärktes Getriebe sollen den Beschleunigungskomfort erhöhen, sagt VW. Außerdem wurde der negative Sturz vorn und hinten erhöht, was der Kurvendynamik und der Traktion zugute kommen soll. Das Ergebnis ist zweideutig: Einerseits betont VW, auf dem Nürburgring mit 7:49:21 einen neuen Rekord für frontangetriebene Autos aufgestellt zu haben, andererseits ist der stärkste Golf im am Stammtisch so wichtigen Standardsprint nicht der schnellste.
(mfz)