In teurer Erinnerung

Es ist rational nur schwer erklärbar, dass der Aufpreis für einen legendären, aber immateriellen Namen und ein paar Edel-Teile den Grundpreis für ein Krad überschreitet, das praktisch nichts gemein hat mit der historischen Rennmaschine

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Zweirad
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Von
  • Ingo Gach
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Köln, 12. Mai 2016 – Die Scrambler Mike Hailwood ist ein Paradebeispiel, wie man den Leuten mithilfe eines berühmten Namens und ein paar angeschraubten Extras viel Geld aus der Tasche ziehen kann. Man nehme den Bestseller aus dem Ducati-Programm, die Scrambler, peppe sie mit ein paar netten Details auf, schreibe den Namen einer Rennsport-Legende drauf und fertig ist die hyperteure Sonderserie.

Wobei diese Ducati erstaunlicherweise nicht aus Bologna stammt, sondern aus Thailand. Die Italiener besitzen dort – wie unter anderem auch BMW, Honda und Triumph – ein florierendes Werk. 2015 verließen über 10.000 Maschinen die Fabrik in der Nähe von Bangkok. Die Thais lieben die rote Marke und selbst der amtierende Machthaber General Prayuth Chan-ocha ist bekennender Ducati-Fan. Managing Director Francesco Milicia schwärmt von dem expandierenden Markt, hinzu kommt, dass der wirtschaftlich ebenfalls aufstrebende Nachbarstaat Malaysia keine Zölle auf Importe aus Thailand erhebt.

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HĂĽbsch anzusehen ist die Ducati Scrambler Mike Hailwood Replica zweifellos. Sie wurde von Ducati Thailand im dortigen Werk als limitierte Sonderserie von 58 StĂĽck aufgelegt. Allerdings war die Nachfrage nicht so hoch wie erhofft.

Trotz aller Begeisterung – oder gerade deswegen – will die Kundschaft mit noch mehr Besonderem von ihrer Lieblingsmarke erfreut werden. So gab es letztes Jahr auf Anregung von Ducati Thailand Managing Director Apichat Leenutaphong bereits eine „Paul Smart“-Sonderserie der Scrambler. Nur 24 Stück wurden gefertigt und waren im Handumdrehen ausverkauft, trotz des Preises von umgerechnet rund 12.500 Euro. Rennfahrer Paul Smart holte 1972 auf einer GT 750 überraschend den Sieg bei den 200 Meilen von Imola. Für die Replica wurde die Scrambler einfach in der Farbgebung silber und türkis lackiert, bekam einen kleinen Sitzbankhöcker, Alcantara-Sitzbezug, Startnummerntafeln und einen neuen rechten Seitendeckel mit einer Paul Smart-Gravur.

Dieses Prinzip wiederholt Ducati Thailand jetzt und präsentiert die limitierte Sonderserie Scrambler Mike Hailwood. Dem neunfache GP-Weltmeister Mike „The Bike“ Hailwood gelang 1978 das Kunststück, bei der berüchtigten TT Isle of Man die versammelte japanische Übermacht mit einer Ducati 900 NCR zu schlagen. Dabei war er schon 38 Jahre alt und lange Zeit keine Motorradrennen mehr gefahren, sein letzter von insgesamt zwölf TT-Siegen lag bereits elf Jahr zurück. Die daraus resultierende 900 Mike Hailwood Replica (später auch als 1000er) ist bis heute eine Ikone der Motorradgeschichte.